ibuse_masuji
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ibuse_masuji [2022/08/04 14:18] – [Familie] cweber6 | ibuse_masuji [2022/08/07 23:24] (aktuell) – [Literatur] bguelsoy | ||
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==== Familie ==== | ==== Familie ==== | ||
- | Ibuse Masuji wurde 1898 in der Nähe der Stadt Fukuyama in der Präfektur Hiroshima geboren. Seine Familie – vor allem Bauern und Landbesitzer – lebten zu dieser Zeit bereits seit mehreren Generationen | + | Ibuse Masuji wurde 1898 in der Nähe der Stadt Fukuyama in der Präfektur Hiroshima geboren. Seine Familie – vor allem Bauern und Landbesitzer – lebten zu dieser Zeit bereits seit mehreren Generationen |
- | Viel inniger war hingegen der Kontakt zu seinen Großeltern, | + | Viel inniger war hingegen der Kontakt zu seinen Großeltern, |
Bereits sehr früh wurde der junge Ibuse mit dem Tod konfrontiert, | Bereits sehr früh wurde der junge Ibuse mit dem Tod konfrontiert, | ||
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- | Nachdem seine Lungenkrankheit 1905 endgültig geheilt war, besuchte Ibuse zunächst die lokale Grundschule in seinem Heimatdorf. Über diese Zeit ist nur wenig bekannt, ein einprägsames Ereignis war jedoch ein Unfall, bei dem einer seiner Mitschüler in einem nahen Fluss ertrank. Wieder war Ibuse mit dem Tod einer nahestehenden Person konfrontiert. Nach erfolgreichem Abschluss der Grundschule bewarb er sich an einer bekannten Mittelschule in Hiroshima, fiel jedoch durch die Aufnahmeprüfung. Ein Jahr später gelang es ihm, an der Fukuyama Mittelschule aufgenommen zu werden. Sie war bereits in der Edo-Zeit unter dem Namen //Makoto no kan// 誠之館 (Halle der Weisheit) gegründet worden und galt seither als Elite-Schule. Der Lehrplan der Schule war westlich ausgerichtet, | + | Nachdem seine Lungenkrankheit 1905 endgültig geheilt war, besuchte Ibuse zunächst die lokale Grundschule in seinem Heimatdorf. Über diese Zeit ist nur wenig bekannt, ein einprägsames Ereignis war jedoch ein Unfall, bei dem einer seiner Mitschüler in einem nahen Fluss ertrank. Wieder war Ibuse mit dem Tod einer nahestehenden Person konfrontiert. Nach erfolgreichem Abschluss der Grundschule bewarb er sich an einer bekannten Mittelschule in Hiroshima, fiel jedoch durch die Aufnahmeprüfung. Ein Jahr später gelang es ihm, an der Fukuyama Mittelschule aufgenommen zu werden. Sie war bereits in der Edo-Zeit unter dem Namen //Makoto no kan// 誠之館 (Halle der Weisheit) gegründet worden und galt seither als Elite-Schule. Der Lehrplan der Schule war westlich ausgerichtet, |
Während sich Ibuse für die Inhalte begeistern konnte, hatte er Schwierigkeiten im Umgang mit einigen seiner Mitschüler. So war er nur kurze Zeit im schuleigenen Wohnheim untergebracht, | Während sich Ibuse für die Inhalte begeistern konnte, hatte er Schwierigkeiten im Umgang mit einigen seiner Mitschüler. So war er nur kurze Zeit im schuleigenen Wohnheim untergebracht, | ||
- | Nach Abschluss der Mittelschule begann Ibuse zunächst eine zweimonatige Reise entlang der Küste | + | Nach Abschluss der Mittelschule begann Ibuse zunächst eine zweimonatige Reise entlang der Küste |
- | Tôkyô übte auf Ibuse, der aus dörflichem Umfeld stammte und den Großteil seines bisherigen Lebens dort verbracht hatte, zunächst eine unglaubliche Anziehungskraft aus – verknüpft mit Erwartungen an die Verlockungen der Großstadt. Doch diese anfängliche Euphorie schlug schnell in Ernüchterung um, denn in der Millionenstadt fühlte er sich schnell verloren und orientierungslos. Ähnlich erging es ihm auch in seinem Studium. Er belegte verschiedene Kurse und knüpfte Kontakte zu einigen der führenden Schriftsteller und Literaturwissenschaftler seiner Zeit, beispielsweise Tsubouchi Shôyô 坪内逍遥 (1859-1935), | + | Tôkyô übte auf Ibuse, der aus dörflichem Umfeld stammte und den Großteil seines bisherigen Lebens dort verbracht hatte, zunächst eine unglaubliche Anziehungskraft aus – verknüpft mit Erwartungen an die Verlockungen der Großstadt. Doch diese anfängliche Euphorie schlug schnell in Ernüchterung um, denn in der Millionenstadt fühlte er sich schnell verloren und orientierungslos. Ähnlich erging es ihm auch in seinem Studium. Er belegte verschiedene Kurse und knüpfte Kontakte zu einigen der führenden Schriftsteller und Literaturwissenschaftler seiner Zeit, beispielsweise Tsubouchi Shôyô 坪内逍遥 (1859-1935), |
- | Die wichtigste Konstante in dieser Zeit – und gleichsam ein Gegengewicht zu seiner Orientierungslosigkeit – stellte für Ibuse sein guter Freund und Kommilitone Aoki Nanpachi 青木南八 (?-1923) dar. Aoki befasste sich mit französischer Literatur und übersetzte einige Werke ins Japanische. Für Ibuse war er ein Vorbild und eine wichtige Stütze während des Studiums. Aoki brachte | + | Die wichtigste Konstante in dieser Zeit – und gleichsam ein Gegengewicht zu seiner Orientierungslosigkeit – stellte für Ibuse sein guter Freund und Kommilitone Aoki Nanpachi 青木南八 (?-1923) dar. Aoki befasste sich mit französischer Literatur und übersetzte einige Werke ins Japanische. Für Ibuse war er ein Vorbild und eine wichtige Stütze während des Studiums. Aoki brachte |
==== Leben in der Taishô- und frühen Shôwa-Zeit ==== | ==== Leben in der Taishô- und frühen Shôwa-Zeit ==== | ||
- | Nach Aokis Tod begann Ibuse als Autor und Redakteur bei verschiedenen Zeitschriften zu arbeiten. Eine wichtige Rolle spielt in dieser Zeit der Verleger Tanaka Kôtarô 田中貢太郎 (1880-1941), | + | Nach Aokis Tod begann Ibuse Masuji |
In dieser Zeit veröffentlichte Ibuse mit der Unterstützung von Tanaka verschiedene Artikel und Kurzgeschichten, | In dieser Zeit veröffentlichte Ibuse mit der Unterstützung von Tanaka verschiedene Artikel und Kurzgeschichten, | ||
- | Ein weiteres wichtiges Werk aus dieser Zeit ist //Koi// 鯉 (Der Karpfen, 1926). In dieser Kurzgeschichte thematisiert Ibuse den Verlust seines besten Freundes. Der Protagonist Ibuse von seinem Freund Aoki als Symbol ihrer Freundschaft einen Karpfen geschenkt. Da Transport und Unterbringung des Karpfens mit der Zeit und über mehrere Umzüge hinweg immer schwieriger werden, einigen sich Ibuse und Aoki darauf, | + | Ein weiteres wichtiges Werk aus dieser Zeit ist //Koi// 鯉 (Der Karpfen, 1926). In dieser Kurzgeschichte thematisiert Ibuse den Verlust seines besten Freundes. Der Protagonist Ibuse hatte von seinem Freund Aoki als Symbol ihrer Freundschaft einen Karpfen geschenkt |
- | In den 1930er Jahren veröffentlichte Ibuse weitere Werke, doch das sich verändernde politische Klima hatte auch einen Einfluss auf sein Wirken. In //Jon Manjirô hyôryûki// | + | In den 1930er Jahren veröffentlichte Ibuse weitere Werke, doch das sich verändernde politische Klima hatte auch einen Einfluss auf sein Wirken. In //Jon Manjirô hyôryûki// |
- | Auch in anderen Werken bediente sich Ibuse des Rückgriffs auf geschichtliche Vorbilder und klassische japanische Erzählungen. So erzählt er in //Sazanami gunki// さざなみ軍記 (Wellen: ein Kriegstagebuch, | + | Auch in anderen Werken bediente sich Ibuse des Rückgriffs auf geschichtliche Vorbilder und klassische japanische Erzählungen. So erzählt er in //Sazanami gunki// さざなみ軍記 (Wellen: ein Kriegstagebuch, |
- | Zwar weisen viele Geschichten melancholische Elemente und Stimmungen auf, doch Ibuse legte in seinen Werken auch viel Wert auf Humor und Ironie. So vergleicht er in //Kakû dôbutsu fu// 架空動物譜 (Verzeichnis fiktiver Tiere, 1933) mythologische und fiktive Tiere aus dem Westen und dem Orient und kommt dabei auf ironische Weise zu dem Schluss, dass die Wesen des Orients bei weitem überlegen sind. Ein weiteres Beispiel ist //Kokki// 国旗 (Die Flagge, 1934), eine Kurzgeschichte über einen Mann der eine teure Flagge kauft, diese aber – entgegen des Brauchs – nicht zum Neujahr hisst. Als er einmal seinen Lohn nicht rechtzeitig bekommt, tauscht er die Flagge gegen einen Sack Reis ein. Die Flagge, gerade in den 1930er Jahren ein Objekt hohen ideellen Wertes und Symbol nationaler Identität wird zu einem banalen Tauschobjekt degradiert. | + | Zwar weisen viele Geschichten melancholische Elemente und Stimmungen auf, doch Ibuse legte in seinen Werken auch viel Wert auf Humor und Ironie. So vergleicht er in //Kakû dôbutsu fu// 架空動物譜 (Verzeichnis fiktiver Tiere, 1933) mythologische und fiktive Tiere aus dem Westen und dem Orient und kommt dabei auf ironische Weise zu dem Schluss, dass die Wesen des Orients bei weitem überlegen sind. Ein weiteres Beispiel ist //Kokki// 国旗 (Die Flagge, 1934), eine Kurzgeschichte über einen Mann, der eine teure Flagge kauft, diese aber – entgegen des Brauchs – nicht zum Neujahr hisst. Als er einmal seinen Lohn nicht rechtzeitig bekommt, tauscht er die Flagge gegen einen Sack Reis ein. Die Flagge, gerade in den 1930er Jahren ein Objekt hohen ideellen Wertes und Symbol nationaler Identität, wird zu einem banalen Tauschobjekt degradiert. |
- | In diesen und anderen Werken bezieht sich Ibuse auf nationalistisch aufgeladene Symbole und Debatten und hinterfragt durch eine ironische Auseinandersetzung | + | In diesen und anderen Werken bezieht sich Ibuse auf nationalistisch aufgeladene Symbole und Debatten und hinterfragt durch eine ironische Auseinandersetzung, |
- | Auf der anderen Seite spiegelt die Einsamkeit und Orientierungslosigkeit, | + | Auf der anderen Seite spiegelt die Einsamkeit und Orientierungslosigkeit, |
==== Kriegseinsatz und Evakuierung ==== | ==== Kriegseinsatz und Evakuierung ==== | ||
- | Auch nach Kriegsbeginn 1937 blieb Ibuse zunächst Schriftsteller und veröffentlichte weiterhin Werke. Zwar war Ibuse nicht direkt von Zensur betroffen, allerdings wurden seine Werke zunehmend zurückhaltender, | + | Auch nach Kriegsbeginn 1937 blieb Ibuse zunächst Schriftsteller und veröffentlichte weiterhin Werke. Zwar war Ibuse nicht direkt von Zensur betroffen, allerdings wurden seine Werke zunehmend zurückhaltender, |
- | Wenig später kehrte Ibuse überraschend nach Japan zurück. Um die Heimatfront zu stärken, wurde ein Teil der Schriftsteller in seiner und anderen Einheiten aus dem Dienst entlassen. So kehrte er 1942 nach Tôkyô zurück und veröffentlichte 1943 Berichte über zeine Zeit an der Front – in denen er jedoch nicht frei erzählen konnte, was er erlebt hatte. Doch die Zeit, in der er wieder als Schriftsteller tätig sein konnte, währte nur kurz, denn als die Bombardierungen auf Tôkyô und andere Großstädte immer intensiver wurden, wurde Ibuse aufs Land evakuiert. Diese Zeit glich einer Flucht und erinnerte ihn an seine rastlose und orientierungslose Studentenzeit. Er reiste mit seiner Familie zunächst von Kleinstadt zu Kleinstadt und schlief währenddessen teilweise in Bahnhöfen, bis er 1945 in sein altes Heimatdorf Kamo zurückkehrte, | + | Wenig später kehrte Ibuse überraschend nach Japan zurück. Um die Heimatfront zu stärken, wurde ein Teil der Schriftsteller in seiner und anderen Einheiten aus dem Dienst entlassen. So kehrte er 1942 nach Tôkyô zurück und veröffentlichte 1943 Berichte über zeine Zeit an der Front – in denen er jedoch nicht frei erzählen konnte, was er erlebt hatte. Doch die Zeit, in der er wieder als Schriftsteller tätig sein konnte, währte nur kurz, denn als die Bombardierungen auf Tôkyô und andere Großstädte immer intensiver wurden, wurde Ibuse aufs Land evakuiert. Diese Zeit glich einer Flucht und erinnerte ihn an seine rastlose und orientierungslose Studentenzeit. Er reiste mit seiner Familie zunächst von Kleinstadt zu Kleinstadt und schlief währenddessen teilweise in Bahnhöfen, bis er 1945 in sein Heimatdorf Kamo zurückkehrte, |
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- | Nach Ende des Kriegs kehrte Ibuse nach Tôkyô zurück, doch im Gegensatz zu vielen anderen Schriftstellern dieser Zeit hielt er sich zunächst | + | Nach Ende des Kriegs kehrte Ibuse nach Tôkyô zurück, doch im Gegensatz zu vielen anderen Schriftstellern dieser Zeit hielt er sich zunächst mit der Veröffentlichung neuer Werke zurück. |
Sein erstes fiktives Werk nach dem Krieg war // | Sein erstes fiktives Werk nach dem Krieg war // | ||
Kurze Zeit später veröffentlichte Ibuse // | Kurze Zeit später veröffentlichte Ibuse // | ||
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Für Ibuse standen tatsächliche Erfahrungen und Erlebnisse der Menschen im Vordergrund. Auch seine eigenen Erlebnisse verarbeitete er in zahlreichen Werken. So veröffentlichte er 1950 die Kurzgeschichte //Yôhai taichô// 遥拝隊長 (Ehrerbietung aus der Ferne). Darin tyrannisiert ein ehemaliger Offizier - der im Krieg Kopfverletzungen erlitten hat und nun glaubt, sich noch im Krieg zu befinden - sein Heimatdorf mit Befehlen, Verhaltensanweisungen und nationalistischen Parolen. Vorbild für die Figur war ein Offizier, den Ibuse während der Überfahrt nach Malaya kennengelernt hatte. Dieser war fanatischer Nationalist und Militarist, ließ die Soldaten regelmäßig zum Fahnenappell antreten und forderte absolute Treue und Gehorsamkeit. | Für Ibuse standen tatsächliche Erfahrungen und Erlebnisse der Menschen im Vordergrund. Auch seine eigenen Erlebnisse verarbeitete er in zahlreichen Werken. So veröffentlichte er 1950 die Kurzgeschichte //Yôhai taichô// 遥拝隊長 (Ehrerbietung aus der Ferne). Darin tyrannisiert ein ehemaliger Offizier - der im Krieg Kopfverletzungen erlitten hat und nun glaubt, sich noch im Krieg zu befinden - sein Heimatdorf mit Befehlen, Verhaltensanweisungen und nationalistischen Parolen. Vorbild für die Figur war ein Offizier, den Ibuse während der Überfahrt nach Malaya kennengelernt hatte. Dieser war fanatischer Nationalist und Militarist, ließ die Soldaten regelmäßig zum Fahnenappell antreten und forderte absolute Treue und Gehorsamkeit. | ||
- | In anderen Werken greift Ibuse wieder Elemente aus seinen Vorkriegswerken auf, beispielsweise das des Schiffbrüchigen im Roman //Hyômin Usaburô// 漂民卯三郎 (Schiffbrüchiger Usaburô, 1955), verbindet aber auch diese mit Erfahrungen aus dem Krieg. Der Protagonist Usaburô erleidet zusammen mit seinem Bruder und seiner Mannschaft Schiffbruch. Ein Teil der Mannschaft wird jedoch von Walfängern aus den USA gerettet und so kommen sie zunächst nach Hawaii. Fernab der Heimat und ihrer Familien, in einem fremden Land, dessen Sprache sie nicht verstehen, versuchen sie, einen Weg zurück zu finden. Währenddessen müssen sie den Verlust zahlreicher Kameraden | + | In anderen Werken greift Ibuse wieder Elemente aus seinen Vorkriegswerken auf, beispielsweise das des Schiffbrüchigen im Roman //Hyômin Usaburô// 漂民卯三郎 (Schiffbrüchiger Usaburô, 1955), verbindet aber auch diese mit Erfahrungen aus dem Krieg. Der Protagonist Usaburô erleidet zusammen mit seinem Bruder und seiner Mannschaft Schiffbruch. Ein Teil der Mannschaft wird jedoch von Walfängern aus den USA gerettet und so kommen sie zunächst nach Hawai' |
- | Für seine Werke erhielt Ibuse zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. 1960 wurde er in die //Nihon geijutsuin// | + | Für seine Werke erhielt Ibuse zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. 1960 wurde er in die //Nihon geijutsuin// |
- | Darin wird episodenartig und im Stil von Tagebucheinträgen aus dem Leben von // | + | Darin wird episodenartig und im Stil von Tagebucheinträgen aus dem Leben von // |
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Nach der Veröffentlichung von //Kuroi ame// war Ibuse als Autor mehr denn je in aller Munde. Neben einigen weiteren Geschichten veröffentlichte er 1970 seine Autobiografie // | Nach der Veröffentlichung von //Kuroi ame// war Ibuse als Autor mehr denn je in aller Munde. Neben einigen weiteren Geschichten veröffentlichte er 1970 seine Autobiografie // | ||
1982 beteiligte sich Ibuse - der ansonsten sehr zurückhaltend mit öffentlichen politischen Äußerungen war - zusammen mit 300 weiteren Schriftstellern an einem Aufruf, die Atomenergie abzuschaffen. | 1982 beteiligte sich Ibuse - der ansonsten sehr zurückhaltend mit öffentlichen politischen Äußerungen war - zusammen mit 300 weiteren Schriftstellern an einem Aufruf, die Atomenergie abzuschaffen. | ||
- | In den 80er Jahren wurden Sammelwerke seiner Geschichten veröffentlicht. Im Rahmen dessen überarbeitete Ibuse einige seiner früheren Werke. 1989 wurde schließlich //Kuroi ame// unter der Regie von Imamura | + | In den 1980er |
==== Zentrale Motive ==== | ==== Zentrale Motive ==== | ||
- | In der Nachkriegszeit legte Ibuse hohen Wert auf authentische Geschichten und den Einbezug von tatsächlichen Erlebnissen und Erfahrungen von Menschen. Zwar dienten ihm dabei häufig auch seine eigenen Erfahrungen als Grundlage, doch sind es Erfahrungen, die er mit vielen anderen Menschen dieser Zeit teilte. Beispiele dafür sind die Rückkehr nach Japan vom Kriegseinsatz in Übersee, der Verlust von geliebten Menschen durch den Krieg oder die Orientierungslosigkeit in den Wirren der letzten Kriegsmonate und der frühen Nachkriegszeit. Dabei thematisierte er - wie schon in den Vorkriegswerken - wieder | + | In der Nachkriegszeit legte Ibuse hohen Wert auf authentische Geschichten und den Einbezug von tatsächlichen Erlebnissen und Erfahrungen von Menschen. Zwar dienten ihm dabei häufig auch seine eigenen Erfahrungen als Grundlage, doch sind es Erlebnisse, die er mit vielen anderen Menschen dieser Zeit teilte. Beispiele dafür sind die Rückkehr nach Japan vom Kriegseinsatz in Übersee, der Verlust von geliebten Menschen durch den Krieg oder die Orientierungslosigkeit in den Wirren der letzten Kriegsmonate und der frühen Nachkriegszeit. Dabei thematisierte er - wie schon in den Vorkriegswerken - die Frage nach der japanischen Identität. Nach der Niederlage im Krieg und der daraus resultierenden Abschaffung der alten Ordnung |
- | Insgesamt zeigt sich, dass die Suche nach der japanischen Identität und nach Orientierung in vielen Werken Ibuses eine wichtige Rolle spielen, immer vor dem Hintergrund ihres jeweiligen historischen Kontextes. Ibuse, der sich mit öffentlichen politischen Äußerungen meist zurückhielt, | + | Insgesamt zeigt sich, dass die Suche nach der japanischen Identität und nach Orientierung in vielen Werken Ibuses eine wichtige Rolle spielen, immer vor dem Hintergrund ihres jeweiligen historischen Kontextes. Ibuse, der sich mit öffentlichen politischen Äußerungen meist zurückhielt, |
- | ==== Forschungsstand und Kontroverse ==== | + | ==== Kontroverse |
- | Ibuse findet in der Literaturforschung vor allem durch seine Kontakte und Verbindungen zu anderen Schriftstellern, | + | 1984 ergänzte Ibuse //Kuroi ame// im Rahmen einer Neufassung um eine Anmerkung, in welcher |
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- | 1984 ergänzte Ibuse //Kuroi ame// im Rahmen einer Neufassung um eine Anmerkung, in welchem | + | |
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Schließlich muss Ibuse zugute gehalten werden, dass es in den 1960er Jahren, der Zeit der Erstveröffentlichung von //Kuroi ame//, keine derart strikten Vorgaben zur Kenntlichmachung von Ausgangsmaterial gab, wie das in den 1980er Jahren der Fall war, als Toyota die Vorwürfe erstmal öffentlich erhob. | Schließlich muss Ibuse zugute gehalten werden, dass es in den 1960er Jahren, der Zeit der Erstveröffentlichung von //Kuroi ame//, keine derart strikten Vorgaben zur Kenntlichmachung von Ausgangsmaterial gab, wie das in den 1980er Jahren der Fall war, als Toyota die Vorwürfe erstmal öffentlich erhob. | ||
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+ | Ibuse findet in der Literaturforschung vor allem durch seine Kontakte und Verbindungen zu anderen Schriftstellern, | ||
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==== Literatur ==== | ==== Literatur ==== | ||
- | * ABE AUESTAD, Reiko: „Ibuse Masuji’s Kuroi Ame (1965) and Imamura | + | * ABE AUESTAD, Reiko: „Ibuse Masuji’s Kuroi Ame (1965) and Imamura |
* DE PIERE, Veronica: „Kintsugi identities in the post-catastrophe Japan: the hibakusha in the post-1945 and post-2011 literature“. In: // | * DE PIERE, Veronica: „Kintsugi identities in the post-catastrophe Japan: the hibakusha in the post-1945 and post-2011 literature“. In: // | ||
* KEAVENEY, Christoper: „Literary Interventions: | * KEAVENEY, Christoper: „Literary Interventions: | ||
* KEENE, Donald: „Japanese Writers and the Greater East Asia War“. In: //The Journal of Asian Studies//, Bd. 23, Nr. 2 (1964), S. 209–225. | * KEENE, Donald: „Japanese Writers and the Greater East Asia War“. In: //The Journal of Asian Studies//, Bd. 23, Nr. 2 (1964), S. 209–225. | ||
* LIMAN, Anthony: „Ibuse Masuji (15 February 1898-10 July 1993)“. In: //Japanese Fiction Writers//, Bd. 180 (1997), S. 41-52. | * LIMAN, Anthony: „Ibuse Masuji (15 February 1898-10 July 1993)“. In: //Japanese Fiction Writers//, Bd. 180 (1997), S. 41-52. | ||
- | * LIN, Yi-Ling: „Plagiarism, | + | * LIN, Yi-Ling: „Plagiarism, |
* MORICHINI, Giuseppe: „Prewar and Postwar Japanese Fiction: Why the former is little known and why the latter should be better known in the West“. In: //East and West//, Bd. 6, Nr. 2 (1955), S. 138–142. | * MORICHINI, Giuseppe: „Prewar and Postwar Japanese Fiction: Why the former is little known and why the latter should be better known in the West“. In: //East and West//, Bd. 6, Nr. 2 (1955), S. 138–142. | ||
* TREAT, John Whittier: //Pools of Water, Pillars of Fire.// Seattle: University of Washington Press 1988. | * TREAT, John Whittier: //Pools of Water, Pillars of Fire.// Seattle: University of Washington Press 1988. |
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