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ibuse_masuji

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ibuse_masuji [2022/08/07 22:52] – [Zentrale Motive] bguelsoyibuse_masuji [2022/08/07 23:24] (aktuell) – [Literatur] bguelsoy
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 ==== Kontroverse und Forschungsstand ==== ==== Kontroverse und Forschungsstand ====
  
-1984 ergänzte Ibuse //Kuroi ame// im Rahmen einer Neufassung um eine Anmerkung, in welchem er erneut die zentrale Bedeutung der zugrundeliegenden Dokumente und Tagebücher betonte. Diese Ergänzung stellte für Toyota Seishi 豊田清史 (1921), einen Dichter aus Hiroshima , das Eingeständnis eines Plagiats dar. Für Toyota waren die Tagebücher Shigematsus - mit dem auch Toyota befreundet war - in der ursprünglichen Fassung nicht deutlich genug als Ursprungsmaterial gekennzeichnet. Deshalb veröffentlichte er 1988 - entgegen des ausdrücklichen Wunsches von Shigematsus Nachfahren - die originalen Tagebücher, um so die Deckungsgleichheit zu //Kuroi ame// aufzuzeigen. 1993 veröffentlichte Toyota darüber hinaus zwei Bücher, in denen er ausgewählte Passagen aus //Kuroi ame// mit den Gegenstücken aus den Tagebüchern direkt verglich, um so seine Vorwürfe zu untermauern. Diese Vorwürfe standen mehrere Jahre im Raum, was auch daran liegen mag, dass Ibuse selbst sich bis zu seinem Tod 1993 nie direkt zu den Vorwürfen äußerte. In der heutigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Ibuses Werken gelten die Vorwürfe als widerlegt. Zum einen wird angeführt, dass Ibuse während der Entstehung und auch danach immer wieder auf die Tagebücher als Grundlage hingewiesen hat -  so auch bei seiner Dankesrede. Außerdem wies er in zwei Artikeln, die er 1966 veröffentlichte, ebenfalls auf Nutzung der Tagebücher hin: am 20. August in //Watakushi no kotoba// 私の言葉 (Meine Worte) und am 25. September in //Genbaku shôsetsu „Kuroi ame“ to Ibuse Masuji// 原爆小説『黒い雨』と井伏鱒二 (Atombombenroman „Schwarzer Regen“ und Ibuse Masuji). Zudem belegt der teilweise veröffentlichte Briefverkehr zwischen Shigematsu und Ibuse, dass Ibuse die Tagebücher zunächst gar nicht benutzen wollte+1984 ergänzte Ibuse //Kuroi ame// im Rahmen einer Neufassung um eine Anmerkung, in welcher er erneut die zentrale Bedeutung der zugrundeliegenden Dokumente und Tagebücher betonte. Diese Ergänzung stellte für Toyota Seishi 豊田清史 (1921), einen Dichter aus Hiroshima, das Eingeständnis eines Plagiats dar. Für Toyota waren die Tagebücher Shigematsus - mit dem auch Toyota befreundet war - in der ursprünglichen Fassung nicht deutlich genug als Ursprungsmaterial gekennzeichnet. Deshalb veröffentlichte er 1988 - entgegen des ausdrücklichen Wunsches von Shigematsus Nachfahren - die originalen Tagebücher, um so die Deckungsgleichheit zu //Kuroi ame// aufzuzeigen. 1993 veröffentlichte Toyota darüber hinaus zwei Bücher, in denen er ausgewählte Passagen aus //Kuroi ame// mit den Gegenstücken aus den Tagebüchern direkt verglich, um so seine Vorwürfe zu untermauern. Diese Vorwürfe standen mehrere Jahre im Raum, was auch daran liegen mag, dass Ibuse selbst sich bis zu seinem Tod 1993 nie direkt zu den Vorwürfen äußerte. In der heutigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Ibuses Werken gelten die Vorwürfe als widerlegt. Zum einen wird angeführt, dass Ibuse während der Entstehung und auch danach immer wieder auf die Tagebücher als Grundlage hingewiesen hat -  so auch bei seiner Dankesrede. Außerdem wies er in zwei Artikeln, die er 1966 veröffentlichte, ebenfalls auf Nutzung der Tagebücher hin: am 20. August in //Watakushi no kotoba// 私の言葉 (Meine Worte) und am 25. September in //Genbaku shôsetsu „Kuroi ame“ to Ibuse Masuji// 原爆小説『黒い雨』と井伏鱒二 (Atombombenroman „Schwarzer Regen“ und Ibuse Masuji). Zudem belegt der teilweise veröffentlichte Briefverkehr zwischen Shigematsu und Ibuse, dass Ibuse die Tagebücher zunächst gar nicht benutzen wollte:
  
 >>„In truth, I had been thinking of writing a novel by borrowing various episodes from your diary, but I left it unwritten because it would have been wrong to steal the material without your consent and I, myself, have no actual knowledge of what happened. I am planning to pay you a visit and return the diary.“ (Briefverkehr zwischen Ibuse und Shigematsu, zitiert nach: TREAT 1988, S.135) >>„In truth, I had been thinking of writing a novel by borrowing various episodes from your diary, but I left it unwritten because it would have been wrong to steal the material without your consent and I, myself, have no actual knowledge of what happened. I am planning to pay you a visit and return the diary.“ (Briefverkehr zwischen Ibuse und Shigematsu, zitiert nach: TREAT 1988, S.135)
 Schließlich muss Ibuse zugute gehalten werden, dass es in den 1960er Jahren, der Zeit der Erstveröffentlichung von //Kuroi ame//, keine derart strikten Vorgaben zur Kenntlichmachung von Ausgangsmaterial gab, wie das in den 1980er Jahren der Fall war, als Toyota die Vorwürfe erstmal öffentlich erhob. Schließlich muss Ibuse zugute gehalten werden, dass es in den 1960er Jahren, der Zeit der Erstveröffentlichung von //Kuroi ame//, keine derart strikten Vorgaben zur Kenntlichmachung von Ausgangsmaterial gab, wie das in den 1980er Jahren der Fall war, als Toyota die Vorwürfe erstmal öffentlich erhob.
  
-Ibuse findet in der Literaturforschung vor allem durch seine Kontakte und Verbindungen zu anderen Schriftstellern, seine langjährige Tätigkeit als Autor und dabei vor allem aufgrund seines Werkes //Kuroi ame// Erwähnung. Gerade im westllichsprachigen Raum gibt es jedoch kaum Monographien, die sich mit seinem Schaffen befassen. Eine Ausnahme bildet //Pools of Water, Pillars of Fire// (1988) von John Whittier TREAT, der hier einen guten Überblick über die zentralen Ereignisse und Umbrüche in Ibuses Leben bietet und dabei besonders deren Einfluss auf Ibuses Werke herausarbeitet. //Pools of Water, Pillars of Fire// ist somit zu einem der zentralen Werke in der Forschung zu Ibuse geworden. Für die Auseinandersetzung mit Ibuse sind auch die autobiografischen Werke wichtig. Neben zahlreichen Artikeln und Aufsätzen ist //Hanseiki// von zentraler Bedeutung, denn Ibuse bietet darin selbst einen Einblick in seine frühen Jahre und viele für seinen Werdegang prägende Ereignisse. TREAT und viele andere beziehen sich deshalb immer wieder auf diese Werke, um Schlüsselmomente in Ibuses Leben herauszuarbeiten.+Ibuse findet in der Literaturforschung vor allem durch seine Kontakte und Verbindungen zu anderen Schriftstellern, seine langjährige Tätigkeit als Autor und dabei vor allem aufgrund seines Werkes //Kuroi ame// Erwähnung. Gerade im westllichsprachigen Raum gibt es jedoch kaum Monographien, die sich mit seinem Schaffen befassen. Eine Ausnahme bildet //Pools of Water, Pillars of Fire// (1988) von John Whittier TREAT, der hier einen guten Überblick über die zentralen Ereignisse und Umbrüche in Ibuses Leben bietet und dabei besonders deren Einfluss auf Ibuses Werke herausarbeitet. //Pools of Water, Pillars of Fire// ist somit zu einem der zentralen Werke in der Forschung zu Ibuse geworden. Für die Auseinandersetzung mit Ibuse sind auch die autobiographischen Werke wichtig. Neben zahlreichen Artikeln und Aufsätzen ist //Hanseiki// von zentraler Bedeutung, denn Ibuse bietet darin selbst einen Einblick in seine frühen Jahre und viele für seinen Werdegang prägende Ereignisse. TREAT und viele andere beziehen sich deshalb immer wieder auf diese Werke, um Schlüsselmomente in Ibuses Leben herauszuarbeiten.
  
  
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-  * ABE AUESTAD, Reiko: „Ibuse Masuji’s Kuroi Ame (1965) and Imamura Shōhei’s Film Adaptation (1989)“. In: //Bunron Zeitschrift für literaturwissenschaftliche Japanforschung//, Bd. 4 (2017), S. 106–124.+  * ABE AUESTAD, Reiko: „Ibuse Masuji’s Kuroi Ame (1965) and Imamura Shôhei’s Film Adaptation (1989)“. In: //Bunron Zeitschrift für literaturwissenschaftliche Japanforschung//, Bd. 4 (2017), S. 106–124.
   * DE PIERE, Veronica: „Kintsugi identities in the post-catastrophe Japan: the hibakusha in the post-1945 and post-2011 literature“. In: //Orientalia Parthenopea//, Bd. 17 (2017), S. 211–222.   * DE PIERE, Veronica: „Kintsugi identities in the post-catastrophe Japan: the hibakusha in the post-1945 and post-2011 literature“. In: //Orientalia Parthenopea//, Bd. 17 (2017), S. 211–222.
   * KEAVENEY, Christoper: „Literary Interventions: Yamamoto Sanehiko's Contributions to Sino-Japanese - Literary Exchange in the Interwar Period“. In: //Modern Chinese Literature and Culture//, Bd. 22, Nr. 2 (2010), S. 196–230.   * KEAVENEY, Christoper: „Literary Interventions: Yamamoto Sanehiko's Contributions to Sino-Japanese - Literary Exchange in the Interwar Period“. In: //Modern Chinese Literature and Culture//, Bd. 22, Nr. 2 (2010), S. 196–230.
   * KEENE, Donald: „Japanese Writers and the Greater East Asia War“. In: //The Journal of Asian Studies//, Bd. 23, Nr. 2 (1964), S. 209–225.   * KEENE, Donald: „Japanese Writers and the Greater East Asia War“. In: //The Journal of Asian Studies//, Bd. 23, Nr. 2 (1964), S. 209–225.
   * LIMAN, Anthony: „Ibuse Masuji (15 February 1898-10 July 1993)“. In: //Japanese Fiction Writers//, Bd. 180 (1997), S. 41-52.   * LIMAN, Anthony: „Ibuse Masuji (15 February 1898-10 July 1993)“. In: //Japanese Fiction Writers//, Bd. 180 (1997), S. 41-52.
-   * LIN, Yi-Ling: „Plagiarism, Hiroshima, and Intertextuality: Ibuse Masuji’s Black Rain Reconsidered“. In: //Bulletin of Reitaku University//, Bd. 19 Nr. 2 (2011), S. 23–55.+   * LIN, Yi-Ling: „Plagiarism, Hiroshima, and Intertextuality: Ibuse Masuji’s Black Rain Reconsidered“. In: //Bulletin of Reitaku University//, Bd. 19Nr. 2 (2011), S. 23–55.
    * MORICHINI, Giuseppe: „Prewar and Postwar Japanese Fiction: Why the former is little known and why the latter should be better known in the West“. In: //East and West//, Bd. 6, Nr. 2 (1955), S. 138–142.    * MORICHINI, Giuseppe: „Prewar and Postwar Japanese Fiction: Why the former is little known and why the latter should be better known in the West“. In: //East and West//, Bd. 6, Nr. 2 (1955), S. 138–142.
    * TREAT, John Whittier: //Pools of Water, Pillars of Fire.// Seattle: University of Washington Press 1988.    * TREAT, John Whittier: //Pools of Water, Pillars of Fire.// Seattle: University of Washington Press 1988.
ibuse_masuji.1659905546.txt.gz · Zuletzt geändert: 2022/08/07 22:52 von bguelsoy