maekawa_kunio
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maekawa_kunio [2022/08/04 14:51] – [Fazit] lsartor3 | maekawa_kunio [2022/08/08 02:26] (aktuell) – [Auf der Suche nach humaner Architektur: Maekawa Kunios Stil von 1965 bis 1986] bguelsoy | ||
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Maekawa Kunio wurde 1905 als erster Sohn von Maekawa Kan' | Maekawa Kunio wurde 1905 als erster Sohn von Maekawa Kan' | ||
- | Sein Vater wurde als Zivilingenieur des Naimushô 内務省 (Ministerium für innere Angelegenheiten) eingestellt, | + | Sein Vater wurde als Zivilingenieur des Naimushô 内務省 (Ministerium für innere Angelegenheiten) eingestellt, |
====Bildungshintergrund==== | ====Bildungshintergrund==== | ||
- | Da er aus einem gebildeten Haus stammt | + | Da er aus einem gebildeten Haus stammte |
====Zeit unter Le Corbusier==== | ====Zeit unter Le Corbusier==== | ||
- | Nach seinem Abschluss an der Universität entschloss sich Maekawa dazu, noch im gleichen Jahr nach Paris zu ziehen um dort unter Le Corbusier zu studieren. Da zu der Zeit nicht genügend Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung standen, war dies das beste, was Maekawa tun konnte. Als er seinen Eltern von seinem Plan erzählte, befürwortete seine Mutter seine Bestrebungen. Sein Vater stand diesen Plänen jedoch kritisch gegenüber, da Maekawa nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügte. Dieses Problem löste sich, da er finanzielle Hilfe von seinem Onkel Satô Naotake 佐藤尚武 (1882-1971) erhielt, der zu der Zeit in Paris als Botschafter des Völkerbundes stationiert war. Er nahm Maekawa auf und ließ ihn bei sich wohnen. | + | Nach seinem Abschluss an der Universität entschloss sich Maekawa dazu, noch im gleichen Jahr nach Paris zu ziehen, um dort unter Le Corbusier zu studieren. Da zu der Zeit nicht genügend Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung standen, war dies das Beste, was Maekawa tun konnte. Als er seinen Eltern von seinem Plan erzählte, befürwortete seine Mutter seine Bestrebungen. Sein Vater stand diesen Plänen jedoch kritisch gegenüber, da Maekawa nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügte. Dieses Problem löste sich, da er finanzielle Hilfe von seinem Onkel Satô Naotake 佐藤尚武 (1882-1971) erhielt, der zu der Zeit in Paris als Botschafter des Völkerbundes stationiert war. Er nahm Maekawa auf und ließ ihn bei sich wohnen. |
Die Position seines Onkels ermöglichte es Maekawa, Kontakt zu Le Corbusier herzustellen. Satô bat Le Corbusier auch, seinen Neffen in seinem Atelier einzustellen. Maekawa wurde schließlich als unbezahlter Skizzenanfertiger eingestellt. Am Anfang fiel ihm die Arbeit schwer, da die Standards sowie Ansprüche des Ateliers deutlich höher waren, als er es von seinem Universitätsstudium gewohnt war. Le Corbusier wurde oft wütend, wenn er Maekawas Projektskizzen sah und ließ ihn diese oftmals neu anfertigen. Zu Beginn war das Büro von Le Corbusier noch sehr klein und bestand aus nur 4 Personen: Alfred Roth (1879-1948), | Die Position seines Onkels ermöglichte es Maekawa, Kontakt zu Le Corbusier herzustellen. Satô bat Le Corbusier auch, seinen Neffen in seinem Atelier einzustellen. Maekawa wurde schließlich als unbezahlter Skizzenanfertiger eingestellt. Am Anfang fiel ihm die Arbeit schwer, da die Standards sowie Ansprüche des Ateliers deutlich höher waren, als er es von seinem Universitätsstudium gewohnt war. Le Corbusier wurde oft wütend, wenn er Maekawas Projektskizzen sah und ließ ihn diese oftmals neu anfertigen. Zu Beginn war das Büro von Le Corbusier noch sehr klein und bestand aus nur 4 Personen: Alfred Roth (1879-1948), | ||
- | Maekawa hatte großes Glück, da er zur rechten Zeit am richtigen Ort war und miterleben konnte, wie sich die Ideen und der Stil Le Corbusiers veränderten. Er lernte während dieser Zeit zwei wichtige Dinge: Zum einen wurde ihm die Wichtigkeit von Architekturwettbewerben bewusst, um neue Ideen, die im Widerspruch mit herkömmlicher Architektur | + | Maekawa hatte großes Glück, da er zur rechten Zeit am richtigen Ort war und miterleben konnte, wie sich die Ideen und der Stil Le Corbusiers veränderten. Er lernte während dieser Zeit zwei wichtige Dinge: Zum einen wurde ihm die Wichtigkeit von Architekturwettbewerben bewusst, um neue Ideen, die im Widerspruch mit herkömmlicher Architektur |
====Zeit unter Antonin Raymond==== | ====Zeit unter Antonin Raymond==== | ||
- | Auch als Maekawa zwei Jahre später aus Paris nach Japan zurückkehrte, | + | Auch als Maekawa zwei Jahre später aus Paris nach Japan zurückkehrte, |
====Werdegang während des Kriegs==== | ====Werdegang während des Kriegs==== | ||
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Während der Kriegszeit hatte Maekawa nicht nur mit der Mitarbeiter- und Materialknappheit zu kämpfen, sondern auch mit der nationalistischen Kriegspropaganda, | Während der Kriegszeit hatte Maekawa nicht nur mit der Mitarbeiter- und Materialknappheit zu kämpfen, sondern auch mit der nationalistischen Kriegspropaganda, | ||
- | Dies war jedoch leichter gesagt als getan, wie bereits die schwierige Auftragslage zeigte. Hinzu kam aber auch, dass sich die Politik selbstverständlich der Architektur als Medium bediente. Besonders kommt die im sogenannten //teikan yôshiki// 帝冠様式 (Stil der kaiserlichen Krone) zum Ausdruck, welches zum architektonischen Symbol des Nationalismus geworden war: eine stabile, typisch westliche, aus Beton bestehende Basis, die mit einem schweren Dach im japanischen Stil gekrönt wurde. Obwohl Maekawa und viele seiner Kollegen versuchten, sich dem erwünschten Stil zu widersetzen, | + | Dies war jedoch leichter gesagt als getan, wie bereits die schwierige Auftragslage zeigte. Hinzu kam aber auch, dass sich die Politik selbstverständlich der Architektur als Medium bediente. Besonders kommt dies im sogenannten //teikan yôshiki// 帝冠様式 (Stil der kaiserlichen Krone) zum Ausdruck, welches zum architektonischen Symbol des Nationalismus geworden war: eine stabile, typisch westliche, aus Beton bestehende Basis, die mit einem schweren Dach im japanischen Stil gekrönt wurde. Obwohl Maekawa und viele seiner Kollegen versuchten, sich dem erwünschten Stil zu widersetzen, |
====Stilistische Entwicklungen in der Nachkriegszeit==== | ====Stilistische Entwicklungen in der Nachkriegszeit==== | ||
- | Nach dem Zweitem Weltkrieg stellte die Wohnknappheit in Japan ein sehr großes Problem dar; viele Menschen | + | Nach dem Zweitem Weltkrieg stellte die Wohnknappheit in Japan ein sehr großes Problem dar; viele Menschen |
**PREMOS** | **PREMOS** | ||
- | Puremosu jûtaku プレモス住宅 oder kurz Premos war Maekawas Antwort auf die Wohnknappheit, | + | Puremosu jûtaku プレモス住宅 oder kurz Premos war Maekawas Antwort auf die Wohnknappheit, |
**Bibliothek und Musikhalle der Präfektur Kanagawa 1954** | **Bibliothek und Musikhalle der Präfektur Kanagawa 1954** | ||
- | Nach dem Premos-Projekt begann Maekawa, den Raum und seine Verbindungen in den Vordergrund zu stellen, um das „Japanische“ auszudrücken. Für ihn stellte der Raum und seine Einbettung in die Umgebung die größte Errungenschaft der japanischen Architektur dar. Fließende Übergänge zwischen Innerem und Äußerem sollten durch Überlappung der Räume ein harmonisches Ganzes erzeugen. Wie in vormodernen Häusern | + | Nach dem Premos-Projekt begann Maekawa, den Raum und seine Verbindungen in den Vordergrund zu stellen, um das „Japanische“ auszudrücken. Für ihn stellte der Raum und seine Einbettung in die Umgebung die größte Errungenschaft der japanischen Architektur dar. Fließende Übergänge zwischen Innerem und Äußerem sollten durch Überlappung der Räume ein harmonisches Ganzes erzeugen. Wie in vormodernen Häusern |
Die ersten Bauwerke, in denen er einen fließenden Raumübergang erzeugte, waren die Präfekturbibliothek Kanagawa (Kanagawa-kenritsu toshokan 神奈川県立図書館) und die Präfekturmusikhalle Kanagawa (Kanagawa-kenritsu ongakudô 神奈川県立音楽堂), | Die ersten Bauwerke, in denen er einen fließenden Raumübergang erzeugte, waren die Präfekturbibliothek Kanagawa (Kanagawa-kenritsu toshokan 神奈川県立図書館) und die Präfekturmusikhalle Kanagawa (Kanagawa-kenritsu ongakudô 神奈川県立音楽堂), | ||
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**Expo 58 in Brüssel: „La Main Nippone et la Machine“** | **Expo 58 in Brüssel: „La Main Nippone et la Machine“** | ||
- | Das Konzept des fließenden Raumübergangs spielte auch bei der Gestaltung des japanischen Pavillons auf der Expo 58 in Brüssel eine große Rolle. Japan präsentierte sich als moderne Nation, die fest auf der Basis der eigenen Tradition stand. Der Krieg und seine Zerstörung sollten dem Gedanken des Aufbaus und Fortschritts weichen. Maekawa Kunio als Architekt des Pavillongebäudes setzte auf eine noch stärkere Überlappung von Innen und Außen als bisher, indem er beispielsweise durch ein auskragendes Dach in Schmetterlingsform und einen versteckten Garten, ein //abri dans le jardin//, mittig des Pavillons die Grenzen fast verschwinden ließ. Des Weiteren erhöhte Maekawa die Mauern des Raums und nutzte sowohl durchsichtige als auch undurchsichtige Platten um diese zu füllen, damit die Vorstellung des geschlossenen Raumes aufgehoben wird. Mithilfe dieser Elemente schaffte Maekawa fließende Raumübergänge und somit ein Werk, welches in Harmonie mit der Natur war. | + | Das Konzept des fließenden Raumübergangs spielte auch bei der Gestaltung des japanischen Pavillons auf der Expo 58 in Brüssel eine große Rolle. Japan präsentierte sich als moderne Nation, die fest auf der Basis der eigenen Tradition stand. Der Krieg und seine Zerstörung sollten dem Gedanken des Aufbaus und Fortschritts weichen. Maekawa Kunio als Architekt des Pavillongebäudes setzte auf eine noch stärkere Überlappung von Innen und Außen als bisher, indem er beispielsweise durch ein auskragendes Dach in Schmetterlingsform und einen versteckten Garten, ein //abri dans le jardin//, mittig des Pavillons die Grenzen fast verschwinden ließ. Des Weiteren erhöhte Maekawa die Mauern des Raums und nutzte sowohl durchsichtige als auch undurchsichtige Platten, um diese zu füllen, damit die Vorstellung des geschlossenen Raumes aufgehoben wird. Mithilfe dieser Elemente schaffte Maekawa fließende Raumübergänge und somit ein Werk, welches in Harmonie mit der Natur war. |
Die Ausstellung im Pavillon unter dem Titel „La Main Nippone et la Machine“ war in drei Teile unterteilt: Geschichte (// | Die Ausstellung im Pavillon unter dem Titel „La Main Nippone et la Machine“ war in drei Teile unterteilt: Geschichte (// | ||
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Um die Architektur im Sinne der Menschen und ihrer Umgebung gestalten zu können, entwickelt Maekawa einen neuen Zeichenstil. Die sogenannten // | Um die Architektur im Sinne der Menschen und ihrer Umgebung gestalten zu können, entwickelt Maekawa einen neuen Zeichenstil. Die sogenannten // | ||
- | Das Präfekturmuseum Saitama (Saitama-kenritsu hakubutsukan 埼玉県立博物館) stellt eine der ersten Umsetzungen des neuen Stils Maekawas dar. Er knüpfte die Räume mit fließenden Übergängen, | + | Das Präfekturmuseum Saitama (Saitama-kenritsu hakubutsukan 埼玉県立博物館) stellt eine der ersten Umsetzungen des neuen Stils Maekawas dar. Er knüpfte die Räume mit fließenden Übergängen, |
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