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okawa_shumei

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okawa_shumei [2022/08/07 13:45] bguelsoyokawa_shumei [2022/08/07 23:25] (aktuell) – [Forschung und Rezeption] bguelsoy
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 Die Kriegszeit bleibt im kollektiven Gedächtnis Japans häufig eine seltsame Leerstelle. Auch bei Ôkawa ist zu beobachten, dass er in der Nachkriegszeit nicht etwa an seine Tätigkeiten während des Krieges, sondern an seine Forderungen der Vorkriegszeit anschließt: Die panasiatische Idee ist mit dem Krieg nicht begraben worden, sondern muss sich neu aufstellen. Das Ziel, Asien von westlicher Herrschaft zu befreien, bleibt zwar bestehen, doch die Führungsrolle Japans muss nach dem verlorenen Krieg zurückgestellt werden.  Die Kriegszeit bleibt im kollektiven Gedächtnis Japans häufig eine seltsame Leerstelle. Auch bei Ôkawa ist zu beobachten, dass er in der Nachkriegszeit nicht etwa an seine Tätigkeiten während des Krieges, sondern an seine Forderungen der Vorkriegszeit anschließt: Die panasiatische Idee ist mit dem Krieg nicht begraben worden, sondern muss sich neu aufstellen. Das Ziel, Asien von westlicher Herrschaft zu befreien, bleibt zwar bestehen, doch die Führungsrolle Japans muss nach dem verlorenen Krieg zurückgestellt werden. 
  
-Ôkawa wurde in der Geschichtswissenschaft lange außer Acht gelassen, was vermutlich auf seinen Ruf als Panasiatiker und Radikaler zurückzuführen ist. Die Vernachlässigung Ôkawas ist insofern merkwürdig, als sein einstiger Partner Kita Ikki weiterhin im Rampenlicht akademischer Forschungen steht. Kitas Charisma, sozialistische Ansichten und Hinrichtung aufgrund seiner Beteiligung am Putsch vom 26. Februar 1936 machten ihn in der Nachkriegszeit sowohl in rechten als auch in linken Kreisen zu einer beliebten Figur und einem bevorzugten Gegenstand zahlreicher japanischer und internationaler Arbeiten. Der Ruf von Kita Ikki in der Nachkriegszeit führt jedoch dazu, dass sein tatsächlicher Einfluss in der Vorkriegszeit überschätzt wird. Vor dem Krieg waren die meisten seiner Bücher entweder verboten oder vergriffen, weshalb nur wenige Leser*innen Zugang zu ihnen hatten. Zudem hatte Kita kein offizielles Amt inne, nie an einer Universität gelehrt oder gar einen Abschluss gemacht. Sein viel gepriesener Einfluss in der Armee beschränkte sich auf einfache, untergeordnete Offiziere, welche die gesellschaftlichen Realitäten nicht kannten. Bei Ôkawa verhält es sich umgekehrt: die fehlende Beachtung, die ihm nach dem Krieg zuteil wurde, schmälert seine tatsächliche Bedeutung in der (Vor-)Kriegszeit. Ôkawa schrieb populäre Bestseller, promovierte an der Kaiserlichen Universität in Tôkyô, lehrte an prestigeträchtigen Institutionen, leitete das hoch angesehene Forschungsinstitut der Südmandschurischen Eisenbahn und hatte Verbindungen zu führenden Politikern, zum Hochadel, zu den höchsten Rängen der Armee und sogar zum kaiserlichen Hof. Sowohl Kita als auch Ôkawa verfolgten beide einen panasiatischen Traum und schreckten für dessen Verwirklichung auch nicht vor radikalen Methoden zurück. Ôkawas Verhaftung als Kriegsverbrecher der Klasse A rückte ihn jedoch trotz seines größeren Einflusses in den Schatten von Kita Ikki. +Ôkawa wurde in der Geschichtswissenschaft lange außer Acht gelassen, was vermutlich auf seinen Ruf als Panasiatiker und Radikaler zurückzuführen ist. Die Vernachlässigung Ôkawas ist insofern merkwürdig, als sein einstiger Partner Kita Ikki weiterhin im Rampenlicht akademischer Forschungen steht. Kitas Charisma, sozialistische Ansichten und Hinrichtung aufgrund seiner Beteiligung am Putsch vom 26. Februar 1936 machten ihn in der Nachkriegszeit sowohl in rechten als auch in linken Kreisen zu einer beliebten Figur und einem bevorzugten Gegenstand zahlreicher japanischer und internationaler Arbeiten. Der Ruf von Kita Ikki in der Nachkriegszeit führt jedoch dazu, dass sein tatsächlicher Einfluss in der Vorkriegszeit überschätzt wird. Vor dem Krieg waren die meisten seiner Bücher entweder verboten oder vergriffen, weshalb nur wenige Leser*innen Zugang zu ihnen hatten. Zudem hatte Kita kein offizielles Amt inne, nie an einer Universität gelehrt oder gar einen Abschluss gemacht. Sein viel gepriesener Einfluss in der Armee beschränkte sich auf einfache, untergeordnete Offiziere, welche die gesellschaftlichen Realitäten nicht kannten. Bei Ôkawa verhält es sich umgekehrt: Die fehlende Beachtung, die ihm nach dem Krieg zuteil wurde, schmälert seine tatsächliche Bedeutung in der (Vor-)Kriegszeit. Ôkawa schrieb populäre Bestseller, promovierte an der Kaiserlichen Universität in Tôkyô, lehrte an prestigeträchtigen Institutionen, leitete das hoch angesehene Forschungsinstitut der Südmandschurischen Eisenbahn und hatte Verbindungen zu führenden Politikern, zum Hochadel, zu den höchsten Rängen der Armee und sogar zum kaiserlichen Hof. Sowohl Kita als auch Ôkawa verfolgten beide einen panasiatischen Traum und schreckten für dessen Verwirklichung auch nicht vor radikalen Methoden zurück. Ôkawas Verhaftung als Kriegsverbrecher der Klasse A rückte ihn jedoch trotz seines größeren Einflusses in den Schatten von Kita Ikki. 
  
 Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Biographie von Ôkawa Shûmei zeigt, wie sich bis heute nationalistische Ideen in Japan über die Zeit retten konnten und auch der verlorene Krieg mit den verheerenden Folgen für die asiatischen Länder kein Umdenken erzwang. Vielmehr ist die heutige Politik Japans von geschichtsrevisionistischem Denken geprägt, welches eine kritische und objektive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit verhindert. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Biographie von Ôkawa Shûmei zeigt, wie sich bis heute nationalistische Ideen in Japan über die Zeit retten konnten und auch der verlorene Krieg mit den verheerenden Folgen für die asiatischen Länder kein Umdenken erzwang. Vielmehr ist die heutige Politik Japans von geschichtsrevisionistischem Denken geprägt, welches eine kritische und objektive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit verhindert.
okawa_shumei.txt · Zuletzt geändert: 2022/08/07 23:25 von bguelsoy