Grundbegriffe

Aus Chancengerechtigkeit und Kapitalformen
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gebrauchswert und Tauschwert

Gebrauchswert

Aus der Sicht von Marx hängt der Reichtum einer Gesellschaft an ihren Waren, die als Elementarform gesehen werden. Als Elementarform wird altbewährt von Gebrauchs- und Werftform der Ware gesprochen. Der Gebrauchswert ist „ein äußerer Gegenstand, ein Ding, das durch seine Eigenschaften menschliche Bedürfnisse irgendeiner Art befriedigt.“ (MEW 23,49). Damit bedient es für den Menschen einen Nutzen durch augenblicklichen Konsum.

Gebrauchswerte sind auch Dinge, die erst einen mittelbaren Nutzen haben, in dem sie andere Gegenstände herstellen, erhalten oder verändern bevor sie genutzt werden. Unmittelbarer und mittelbarer Reichtum wird durch die Gebrauchswerte gebildet, mit dem der Mensch seinen Lebensunterhalt sichert und auch Bedürfnisse mit finanziert. Von Ware wird gesprochen, wenn eine Sache getauscht wird.

Der Gebrauchswert kann einmal nach Quantität, also nach Menge, Gewicht oder Stückzahl bestimmt werden. Andererseits nach Qualität, wobei hier jedoch die Bestimmung des Wertes schwieriger ist. Dies liegt vornehmlich daran, dass jeder Gebrauchswert seine eigene Qualität und Nützlichkeit hat. Eine Systematisierung ist somit nur bedingt möglich. Nach Marx ist der Nutzen von Gebrauchswerten keinesfalls eine natürliche Eigenschaft der jeweiligen Dinge, sondern ist immer durch menschliche Handlungen sozial konstruiert. So werden deshalb beispielsweise Produkte mit Gebrauchswerten von Herstellern beworben, um mögliche Käufer von der unmittelbaren Nützlichkeit zu überzeugen.

Im Lauf ihrer Sozialisation und Bildung entwickeln Menschen, unter Einsatz teils erheblicher Kosten, Kompetenzen und Fähigkeiten, Einstellungen und Wissen, Verhaltensweisen und Haltungen. Zunächst sind diese in erster Linie Gebrauchswerte, sie werden in einem persönlichen und privaten Rahmen genutzt und erscheinen hierin wertvoll. Erst (oder spätestens) mit dem Schritt auf den Arbeitsmarkt setzt ein Mensch diese Eigenschaften ein, um in der Konkurrenz zu Mitbewerbern eine Stelle zu erhalten oder ein Einkommen zu erzielen. Der Gebrauchswert wird auf diese Weise zum Tauschwert. Sind sie Tauschwerte, dann werden sie in dieser gesellschaftlichen Form der Zirkulation auf einem Markt für die ökonomischen Wissenschaften interessant. Die Zirkulation der Tauschwerte zeigt an, dass die Gebrauchswerte in Form von Waren oder Dienstleistungen getauscht werden, sich dabei in Geld verwandeln können und eine gesellschaftliche Wertform im ökonomischen Sinne einnehmen.

Tauschwert

Der Tauschwert ist einfach gesagt der Gebrauchswert, der nicht oder nicht ganz für eigene Bedürfnisse genutzt wird, produziert wurde und im Tausch für etwas anderes zum Tauschwert wird. In heutiger Zeit ist die Gegenleistung meist monetär, aber es wäre auch möglich, den Tauschwert gegen andere Gebrauchswerte direkt zu tauschen, was früher in Formen einfachen Warentausches geschah.

Der Tauschwert basiert auf zwei Faktoren: einmal der Arbeitsteilung (unterschiedliche Menschen produzieren unterschiedliche Waren und tauschen sie dann) und dann dem privaten Eigentum an der Warenproduktion. Der Eigentümer an Waren oder Dienstleistungen, der nicht nur für seinen Gebrauch produziert und arbeitet, tritt mit den Waren oder Dienstleistungen auf den Markt zum Tausch, d. h. zum Verkauf.

Gebrauchswerte sind vor diesem ökonomischen Hintergrund betrachtet nicht nur für den Eigentümer von Wert, sondern auch für andere Mitglieder der Gesellschaft. Hieraus lässt sich der Warentausch als Handlungsform herleiten. Was getauscht werden kann, realisiert seinen Gebrauchswert als Tauschwert. Ein Warentausch beinhaltet dementsprechend sowohl eine Gebrauchs- als auch eine Tauschseite, wobei der wechselseitige Wert vergleichbar sein muss. Da es jedoch nicht immer leicht ist, einen Gebrauchswert exakt nach genauen Maßstäben, wie z. B. die durchschnittlich verausgabte Arbeitszeit zu seiner Herstellung, zu bestimmen, stellt sich immer die Frage, zu welchen Proportionen getauscht werden soll. Nach Marx gibt es durch die Konkurrenz in der Produktion eine Tendenz zu einem Tauschhandel, der den Werten der Waren entspricht. Als gemeinsame Größe jeder Ware und als Maß, um den tatsächlichen Wert im Tauschwert zu bestimmen, sieht Marx die abstrakte menschliche Arbeit, d. h. die durchschnittlich verausgabte Arbeitszeit, die in die Produktion einer Ware investiert wurde. Gleichwohl zeigt die Geschichte des Kapitalismus, dass diese Bestimmung eher idealtypisch zu verstehen ist. Wir werden bei den Mehrwertformen diskutieren, weshalb Abweichungen systematisch zu erwarten sind.

Der Unternehmer interessiert sich ohnehin nicht für Werttheorien, die erklären, wie ein Wert überhaupt entsteht, sondern er orientiert sich daran, dass er nach der Produktion einer Ware und deren Verkauf einen Mehrwert bzw. Gewinn erzielt. Die Kostenrechnung des Unternehmers besteht darin, seine Kosten immer gegen seinen gewinn zu verrechnen, eine Bilanz nach Soll und Haben zu erstellen, und sein Erfolg bemisst sich über das Haben. Er wird daher versuchen, Mittel und Wege zu nutzen, seine Kosten zu senken, damit er am Ende langfristig Gewinn erwirtschaften kann. Darin einrechnen muss er auch die Lohnkosten für Angestellte und Arbeiter. Die investierte Arbeitszeit in eine Ware wird zusammen mit allen anderen Investitionskosten zu einem notwendigen Verkaufspreis verrechnet. Dabei wird die Arbeitszeit als Durchschnittswert genommen, denn der langsamste Produzent wird seine Ware gemessen an der längeren Arbeitszeit nicht mit einem höheren Preis als seine Konkurrenz verkaufen können. In die Kosten- und Nutzenrechnung fließt eine Abrechnung einer idealtypischen durchschnittlichen Arbeitszeit als Wertzuwachs, wie Marx es analysierte, jedoch nicht ein. Es ist einfacher Kosten gegen Gewinne zu rechnen.

Lohnarbeiter oder Lohnarbeiterinnen rechnen anders. Ihre investierte Arbeitszeit erzielt einen Lohn und sie gleichen ab, ob sie damit ihre Wohn- und Lebenskosten decken können und darüber hinaus noch etwas übrig behalten, um bedürfnisdeckende Dinge kaufen zu können oder Geld anzusparen. Bei der Abrechnung der eigenen Arbeitszeit interessiert es den Lohnarbeiterin oder den Lohnarbeiter aber wenig, inwiefern es zu einem Wertzuwachs einer Ware, die ihnen nicht gehört, kommt. Wichtiger ist vielmehr, welchen Wert die Arbeitszeit in Form von Lohn, Prämien oder Abfindungen hat. Der Lohnarbeiter bietet seine Arbeitskraft mit seinen Qualifikationen, in die er investiert hat und trägt das Risiko, auf dem Arbeitsmarkt keine Stelle zu bekommen, weil seine Person und Qualifikation gerade nicht nachgefragt wird. Damit trägt er wie der Unternehmer ein Risiko mit der Frage: Werde ich Gewinn bzw. Gehalt für meine Investitionen mit meinen Gebrauchswerten erzielen? Lohnarbeiter/innen bieten ihren Gebrauchswert als Arbeitszeit an, mit der Absicht im Tausch einen Lohn zu erlangen. Der Unternehmer kauft diesen Tauschwert ein und produziert mit der Arbeitszeit neue Tauschwerte für den Markt mit dem Ziel, im Tausch mehr Geld zu erwirtschaften als er investiert hat.

Wenn aber sowohl Unternehmer wie auch die Lohnarbeiter und Lohnarbeiterinnen in ihren Handlungen anders rechnen, stellt sich die Frage, wieso Marx die Gegenstandsform der Ware über die Verausgabung von Arbeitszeit bestimmt hat. Zeigen wollte Marx damit, dass der Wert einer Ware niemals willkürlich gebildet wird, sondern immer auf bestimmten zugrunde liegenden Prinzipien beruht. Laut Marx greift der Markt dabei mit Angebot und Nachfrage durchaus in die Erzielung von Tauschwerten und die Preisbildung ein. Marx sieht die Arbeitszeit daher insgesamt nur als einen Wert, der in jede Ware investiert wurde und als Vergleich zwischen jeder Ware herangezogen werden kann, zunächst einmal unabhängig von der Qualität der produzierten Ware oder Dienstleistung. In den Kapitalformen legt Reich jeweils spezifisch dar, wie sich Gebrauchswerte und Tauschwerte in den Kosten und Gewinnen spiegeln. Da es dabei unterschiedliche Mehrwertformen gibt, tritt die Arbeitszeit als alleinig bestimmendes Merkmal nur noch im Kontext mit anderen Merkmalen auf.

Kapital

Kapital ist in erster Linie als eine werthaltige Sache (wie zum Beispiel Grundstücke, Maschinen, Gegenstände, Rohstoffe oder Geld) zu definieren, die dazu eingesetzt wird, einen Wert zu erhalten oder gar zu steigern. Es steht nicht unendlich oder gleich für alle zur Verfügung und ist daher durch Knappheit und ungleiche Verteilung gekennzeichnet. Kapital bestimmt unmittelbar über die Lebenschancen von Individuen und Gesellschaft und daher ist es für den Menschen unumgänglich sich damit auseinanderzusetzen. Wenn Kapital als privates Eigentum vorliegt benötigt es zur Steigerung Arbeit, Rohstoffe und eine Produktions- oder Dienstleitungsstätte. Im Zuge dessen wird ebenso ein Markt notwendig, auf dem der gesteigerte Wert getauscht und somit in Geld verwandelt werden kann.

Im weiteren Sinne kann Kapital auch nach den Arten seines Einsatzes als Industrie-, Handels- bzw. Güter-, Immobilien- oder Finanzkapital unterschieden werden, um damit strategische Felder der Mehrwertproduktion anzugehen. Wenn also Geld nicht zum eigenen Konsum, sondern in einer wertsteigernden Absicht verausgabt wird, um einen Gewinn zu erzielen, dann verwandelt es sich in Kapital.

Kapital ist entweder als ein Besitz (in Form von Geld oder Sachwerten) oder ein Wert, der neue Werte erzeugen soll (zum Beispiel ein Investment, das dem Investor einen Gewinn verspricht), vorzufinden. Ein gewisses Handlungswissen wird im Begriff Kapital schon deutlich, denn ursprünglich bezieht sich die lateinische Bedeutung caput (=Kopf) auf Viehherden, die durch ihre Anzahl pro Kopf dem Besitzer seinen Reichtum verdeutlichen. Im volkswirtschaftlichen Handlungswissen wurde der Begriff nach und nach jedoch immer weiter definiert und in Bezug auf die lateinische Bedeutung der Köpfe der Viehherden ging man dazu über, alle Produktionsmittel zu bezeichnen, die bei der Herstellung von Gütern und Waren bzw. Dienstleistungen eingesetzt werden, um einen Gewinn zu erzeugen.

Pierre Bourdieu entwickelte 1986 die Definition von Kapital und Kapitalformen weiter und beschrieb den Begriff Kapital als „akkumulierte Arbeit“ (Bourdieu 2009, 111), diese entweder in Form von Materie oder aber in verinnerlichter Form vorzufinden ist. Kapital kann von einzelnen Personen oder Gruppen exklusiv angeeignet werden, wodurch auch die Aneignung sozialer Energie durch verdinglichte oder lebendige Arbeit möglich gemacht wird. Kapital ist zum einen eine Kraft, welche den objektiven und subjektiven Strukturen innewohnt. Gleichzeitig ist Kapital aber auch ein grundlegendes Prinzip der inneren Regelmäßigkeiten der sozialen Welt.

Weiterhin ist das Kapital der Grund dafür, dass die „Wechselspiele des gesellschaftlichen Lebens“ (Bourdieu 2009, 111) und speziell das Wirtschaftsleben nicht wie Glücksspiele verlaufen, in denen es stets zu Überraschungen kommen könnte. Als Beispiel wird das Roulette genannt, denn hier kann in kürzester Zeit sehr viel Geld gewonnen und damit einhergehend ein neuer sozialer Status erlangt werden, gleichzeitig kann dieser Gewinn jedoch im nächsten Moment wieder aufs Spiel gesetzt werden. Damit entspricht das Roulette dem Bild eines Kosmos völliger Konkurrenz und Chancengleichheit, ohne Anhäufung und Weitergabe von erworbenem Kapital oder Eigenschaften. In diesem Falle könnte jeder sofort jedes Ziel erreichen, jeder könnte also alles werden. Es ist jedoch so, dass die Ansammlung von Kapital, egal in welcher Form, Zeit braucht. Das Kapital kann Profite ebenso produzieren wie es sich selbst reproduzieren oder wachsen kann, weiterhin sorgt das Kapital dafür, dass nicht alles unterschiedslos möglich oder unmöglich ist. Die gegebene Verteilungsstruktur von Kapital ist gleich der Struktur der gesellschaftlichen Welt

Darüber hinaus kann man der Struktur und dem Funktionieren der gesellschaftlichen Welt nur gerecht werden, wenn man den Kapitalbegriff in allen Erscheinungsformen untersucht und sich nicht nur den aus der Wirtschaftstheorie bekannten Begriff ansieht. Der Wirtschaftstheoretische Ausdruck reduziert sämtliche gesellschaftliche Austauschverhältnisse auf den bloßen Warentausch, welcher vom ökonomischen Eigennutz gekennzeichnet ist. Demnach ist die Wirtschaftswissenschaft auch zu einer Wissenschaft von Marktbeziehungen geworden, die es nicht schafft, das Gesamtgebiet der ökonomischen Produktion abzudecken. Da diese Sicht jedoch sehr eng ist, wurde dadurch gleichzeitig die Entstehung einer allgemeinen Wissenschaft von der Ökonomie der Praxis verhindert, welche den Warentausch nur als einen speziellen Fall unter mehreren möglichen Formen von sozialem Austausch behandelt.

Denn auch auf den ersten Blick unverkäufliche Dinge haben ihren Preis, allerdings lassen diese sich schwer in Geld umsetzen, da sie mit dem Vorhaben einer Vereinigung des Ökonomischen hergestellt wurden. Daher muss eine wirkliche allgemeine Wissenschaft von der ökonomischen Praxis dazu im Stande sein, auch die Praxisformen mit einzubeziehen, die zwar einen objektiv ökonomischen Charakter tragen, aber als solche im gesellschaftlichen Leben nicht erkannt werden und nicht erkennbar sind.

Das Kapital lässt sich in drei Gruppen unterteilen: das ökonomische Kapital, welches unmittelbar und direkt in Geld umwandelbar ist und sich zur Institutionalisierung in Form des Eigentumsrechts eignet; das kulturelle Kapital, welches sich unter bestimmten Voraussetzungen in ökonomisches Kapital umwandeln lässt und ich zur Institutionalisierung in Form von schulischen Titeln eignet und schließlich das soziale Kapital, welches mit sozialen Verpflichtungen und Beziehungen zusammenhängt. Es lässt sich ebenfalls unter bestimmten Bedingungen in ökonomisches Kapital umwandeln und wird durch Adelstitel institutionalisiert.


Mehrwert nach Marx und die Mehrwertformel

Dem Geld kommen mehrere Eigenschaften zu. Geld ist zunächst, wie alle andere Gebrauchsgüter auch, eine Ware. Ihm kommt der Gebrauchswert zu, ein allgemeines Äquivalent für alle Tauschhandlungen zu sein. Darüber hinaus ist das Geld das Maß der Werte anderer Gebrauchsgüter. Durch das Geld lässt sich der Preis festlegen, den eine Ware oder Dienstleistung im Tausch konkret bekommt. Als allgemeines Zirkulationsmittel beschleunigt und erleichtert das Geld den Warentausch, es ist Zahlungsmittel und Sparmittel zugleich. Als globales Weltgeld lässt es sich zudem in jede Währung transformieren. Nach Marx ist Geld als letztes Produkt der Warenzirkulation auch ökonomisches Kapital. Es lässt sich durch bestimmte Prozesse in Kapital verwandeln. In Verbindung mit diesem Aspekt werden mehrere Zirkulationsformeln des Warentauschs angeführt:


• W-G-W

Die Warenproduktion erzeugt eine Ware (W), welche verkauft wird, damit in Geld (G) verwandelt wird, um mit diesem Geld neue Waren (W) kaufen zu können, die wiederum verkauft werden sollen. Diese Form des Wa-rentauschs ist typisch für eine Produktion, in der verkauft wird, um zu kaufen.


• G-W-G

Bei dieser Formel handelt es sich um die umgekehrte Folge, Geld (G) wird in Ware (W) verwandelt, wobei durch deren Verkauf wieder Geld (G) entsteht.


Nun wird der Austausch von Waren aber in aller Regel nicht betrieben, wenn als Produkt nicht mehr herauskommt als am Anfang eingesetzt wurde. Die Vermehrung des Geldes bildet die entscheidende Motivation im ökonomischen Handeln der Menschen. Aus diesem Grund lautet nach Marx die eigentliche Zirkulationsformel


• G-W-G´

wobei G´ eine vergrößerte Geldmenge im Vergleich zu G bezeichnet. Mehrwert ist hierbei der vergrößerte Teil im Verhältnis zum ursprünglich zum Einsatz gebrachten Geld. Kapital ist dasjenige Geld, das auf Mehrwert abzielt. Der Ausgangspunkt und Rückkehrpunkt des Geldes ist der Kapitalist, welcher als wichtigsten Zweck seiner Handlungen eine Zirkulation und Mehrwerterzielung sieht. Nach Marx entsteht hieraus eine ungeheure Bewegung des Kapitals. Wie vermehrt sich Geld, wie wird es zu Mehrwert?

Vereinfacht wird in volkswirtschaftlichen Theorien oft behauptet, dass der Wert einer Ware durch subjektive Wertbildungen geschieht. Je nach Angebot und Nachfrage wird einer bestimmten Ware ein bestimmter Wert beigemessen, welcher entweder über oder unter den Kosten liegen kann, welche aufgebracht wurden, um die Ware zu produzieren. Liegt der subjektive Wert über den Kosten der Produktion, so entsteht für den Produzenten ein Gewinn, ein Mehrwert.

Insbesondere die Konkurrenz ist für die Wertbildung unstrittig. Produzenten stehen selten in Monopolstellungen, in denen sie relativ willkürlich Preise festlegen können, sondern wesentlich häufiger in Konkurrenz zueinander. In der Konkurrenz besteht ein hoher Anreiz, die Kosten für ihre Produktion niedrig zu halten, um im Wettbewerb bestehen zu können. Die Kosten für die Produktion von Waren lassen sich vornehmlich durch die Steuerung von Kosten und Strategien der Vermarktung in der Beeinflussung von Angebot und Nachfrage senken.

Marx teilt die Kosten in zwei Kategorien, den konstanten Kapitalteil und den variablen Kapitalteil.

Der konstante Kapitalteil beinhaltet Aspekte wie die Kosten für Rohstoffe, Transport und Lagerhallen, Maschinen und Arbeitsmittel etc. Hier gilt, dass der Kapitalist beziehungsweise der Produzent versuchen kann, diese Faktoren möglichst günstig einzukaufen. Die Konstanz meint hierbei, dass das Kapital dieser Faktoren relativ langfristig gebunden ist.

Die Lohnkosten der Arbeitskräfte stellen den variablen Kapitalteil dar. Die Variabilität beschreibt hier, dass bei günstiger Marktlage, wenn also viele Waren verkauft werden können, auch mehr Arbeiterinnen und Arbeiter beschäftigt werden können, bei schlechter Marktlage dementsprechend weniger. Auch hier gilt, dass Arbeitskräfte beziehungsweise Lohn prinzipiell günstig eingekauft werden sollten. Nach Marx ist der variable Kapitalteil allerdings nicht nur ein Kostenfaktor, sondern trägt den Gebrauchswert, dass er Werte der produzierten Ware hinzufügt. Der variable Kapitalteil produziert also den Wert der Ware. In diesem Sinne wird argumentiert, dass der Kapitalist den Arbeiter ausbeutet, da letzterer in einem geringeren Maße bezahlt wird, als er Werte und dabei auch Mehrwerte herstellt. Hier sind die Lohnkosten im Kapitalismus immer Kampfplatz von Auseinandersetzungen.


Erklärung des Gewinns

Marx.jpg


Abbildung aus Reich (2013, S. 64)


Zur Erklärung des Gewinns nach Marx entsprechend der Abbildung:


• Der Kapitalist kauft in der Zirkulationssphäre konstantes (c) und variables (v) Kapital.

• Die beiden Kapitalteile werden kombiniert, um Waren herzustellen.

• In der Produktionssphäre produzieren die Arbeiter/innen auf Basis ihrer spezifischen Qualifikationen mit Produktionsmitteln Waren oder Dienstleistungen. Es werden Gebrauchswerte erstellt.

• Die produzierte Ware lässt sich auf dem Markt in einen Tauschwert verwandeln und realisiert dabei den Wertzuwachs (c+v+m). In G' erscheint der Zugewinn als Mehrwert.

• Durch den Verkauf entsteht Profit, also das über die Kosten hinausgehende Geld, das im realisierten Preis auf dem Markt erreicht wird.

• Tritt kein Wertzuwachs ein, dann macht der Kapitalist Verluste.


Bedingungen und Eigenschaften der Ware Arbeitskraft


Die Arbeitskraft als Ware ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. Zunächst muss der Besitzer als zeitlich befristeter Eigentümer dieser Arbeitskraft persönlich über ihren Einsatz entscheiden können. Er muss in der Lage sein, einen juristischen Vertrag über die legitime Verwendung dieser Arbeitskraft abschließen zu können. Weiterhin kann die Ware Arbeitskraft nur für eine bestimmte Zeit gekauft werden. Wären diese Bedingungen nicht erfüllt, würde es sich um Sklaverei oder eine andere Abhängigkeitsform handeln. Darüber hinaus muss der Besitzer einer Ware nach Marx selbst frei von Produktionsmitteln, also von ökonomischem Kapital sein, muss also auf den Verkauf der Ware Arbeitskraft angewiesen sein, um sein Leben zu finanzieren.

Die Ware Arbeitskraft ist an gewisse Produktions- und Reproduktionskosten gekoppelt. Hierzu zählen sowohl die Sozialisation, die Erziehung und Ausbildung, Schulabschlüsse als auch kulturelle, soziale und körperliche Kompetenzen. Als Reproduktionskosten werden die Lebenshaltungskosten gefasst, welche relativ zum erreichten Wohlstand der Gesellschaft zu sehen sind. Zudem bedingen neben historischen auch moralische Momente die Höhe der Produktions- und Reproduktionskosten in der gesellschaftlichen Entwicklung. Weiteren Einfluss auf den Lohn hat die Organisiertheit der Arbeitenden im gewerkschaftlichen Kampf. Die Lohnkosten variieren also je nach dem vom Besitzer der Ware Arbeitskraft aufgebrachten Produktions- und Reproduktionskosten.

Selbst wenn ein Arbeitender einen Lohn erhält, der seine Reproduktionskosten vollkommen deckt, so wird er dennoch ausgebeutet. Marx argumentiert, dass der Arbeitende selbst bei gutem Lohn während seiner Arbeitszeit mehr Werte produziert als er in Lohn erhält, denn selbst bei einem gerecht erscheinendem Lohn erzielt der Kapitalist, das ist sein genuines Interesse, immer noch Mehrwert und eignet sich diesen an. Letzteres wird oft damit gerechtfertigt, dass er sein Kapital für diesen Gewinn riskiert hat.