NS-Zeit

Aus Kunst_Basics
Wechseln zu:Navigation, Suche

Kunstpädagogik in der NS-Zeit:

In Arbeit:

Definition Nationalsozialismus

"Der Nationalsozialismus ist eine radikal antisemitische, antikommunistische und antidemokratische Weltanschauung[1] und politische Bewegung. Er entstand nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland. Seine in der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) organisierten Anhänger gelangten unter Adolf Hitler 1933 zur Herrschaft und verwandelten das Deutsche Reich 1933 bis 1945 in einen totalitären „Führerstaat“. Mit dem Polenfeldzug 1939 lösten sie den Zweiten Weltkrieg aus, in dessen Verlauf sie zahlreiche Kriegsverbrechen und Massenmorde verübten, darunter als größten den Holocaust (1941–1945). Die Zeit des Nationalsozialismus endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945." [1]

Kunstbegriff

Entartete Kunst:

Die Nationalsozialisten bezeichneten moderne Kunst, wie den Expressionismus, den Dadaismus, die neue Sachlichkeit, den Surrealismus, den Kubismus und den Fauvismus, welche sich in der Weimarer Republik facettenreich entfalten konnte, diffamierend als „entartete Kunst“. Der Begriff "entartete Kunst" umfasste jedoch nicht nur die bildende Kunst auch Literatur, Film, Theater, Architektur zählten dazu. Einen eigenen Bereich stellte die "entartete Musik" dar, zu der neben Swing und Jazz auch der "Musikbolschewismus" zählte.

1933 nach der Machtübernahme Hitlers wurden die Künstler und deren Kunstwerke, die nicht in die nationalsozialistische Ideologie und Ästhetik passten vom Staat verfolgt und verboten. Dieses Vorgehen wurde rassentheoretisch bzw. sozialdarwinistisch begründet und durch Gesetze (1933 "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums", 1933 Ankaufsverbot nicht-arischer und moderner Kunst,1936 totales Verbot moderner Kunst, 1938 "Gesetz über die Einziehung entarteter Kunst") teilweise nachträglich juristisch legitimiert. Kunstwerke, die als „entartet“ galten, wurden entschädigungslos aus öffentlichen Museen, privaten Sammlungen und später jüdischen Haushalten konfisziert und 1937 in der Ausstellung „entartete Kunst“ dem Volk als krankhafte Beispiele moderner Kunst präsentiert. Insgesamt wurden ca. 16000 Kunstwerke konfisziert, ins Ausland verkauft oder zerstört.

Viele der betroffenen Künstler emigrierten aus Deutschland und im Zuge des zweiten Weltkrieges 1939 auch aus Frankreich und anderen europäischen Ländern in die USA. Insbesondere zog es die vertriebenen Künstler nach New York, das Zentrum der amerikanischen Kunst zu dieser Zeit. In den USA können die Künstler im Gegensatz zum nationalsozialistischen Deutschland frei arbeiten. Künstler wie Hans Hofmann oder Josef Albers, vom Weimarer Bauhaus, lehrten und arbeiteten in New York und beeinflussten stark die amerikanische Kunst. Sie gelten als Wegbereiter des abstrakten Expressionismus, der sich in den 1940er bis frühen 1960er in Amerika etablierte. Eine solche Entwicklung wie der abstrakte Expressionismus wäre im nationalsozialistischen Deutschland nicht denkbar gewesen. Die politische und wirtschaftliche Niederlage Europas führte gleichzeitig zu einer kulturellen Schwächung Europas und einer Aufwertung der USA.

Der nationalsozialistische Umgang mit "entartete Kunst" weist geistige Verbindungen zum Holocaust auf, wie das Zitat des Studiendirektors Reinhold Krause deutlich zeigt: "Proben dieser Machtwerke werden wichtige Beweismittel für die Notwendigkeit einer radikalen Lösung der Judenfrage sein." (Krause 1937, S. 315).


Schon 1928 versuchte Paul Schultze-Naumburg (1869-1949) in seinem Buch „Kunst und Rasse“ rassentheoretisch die Verbindung zwischen moderner Kunst und Entartung darzustellen, in dem er Bilder moderner Künstler mit Fotografien von kranken und behinderten Menschen gegenüberstellte. Diese Argumentation wurde in derAusstellung „entartete Kunst“ von den Nationalsozialisten aufgegriffen. Man spricht hier gerne vom Kontrast zwischen der "entarteten Kunst" und der "gesunden bäuerlichen Volkskultur". ...

Kunst im Nationalsozialismus

"Kunst ist immer die Schöpfung eines bestimmten Blutes, und das formgebundene Wesen einer Kunst wird nur von Geschöpfen des gleichen Blutes verstanden“, schrieb Alfred Rosenberg Wikipedia in seinem 1930 erschienenen Buch "Der Mythus des 20. Jahrhunderts".

Zu den von den Nationalsozialisten bevorzugten Motiven gehörten Landschaften, Stillleben, mythologische Szenen und das harte arbeitsreiche Leben von Arbeitern und Bauern. Diese neu propagierte Kunst knüpfte an die Heimatkunst des deutschen Kaiserreichs an. Viele Maler mystifizierten in ihren Gemälden eine auf unvergängliche Werte, Tradition und vorindustrielles Kleinbauerntum gründende Blut- und Bodenideologie.

Idealisierte weibliche Aktbilder wie Ivo Saligers (1894-1987) "Das Urteil des Paris" standen Beispielhaft im Mittelpunkt der Malerei im Nationalsozialismus. Wohlgeformte, perfekte Körper dienten den Nationalsozialisten als Propaganda für die Ästhetik des nordischen Menschen, die Anmut, Schönheit und Reinheit symbolisieren sollte. Ebenso sollten die Plastiken und Monumentalfiguren der beiden prominentesten NS-Bildhauer Arno Breker und Josef Thorak (1889-1952) mit heroisierendem Pathos die Überlegenheit des "arischen Herrenvolks" demonstrieren. Ganz im Sinne des nationalsozialistischen Kunstideals formten sie muskulöse Männergestalten nach Vorbild der klassischen Antike, die auf Stolz und Stärke des NS-Regimes verwiesen.

Blut und Boden-Ideologie

Symbol Blut und Boden

Die Blut und Boden-Ideologie betrachtet die Abstammung (das „Blut“) und den Boden (um ihm mittels Landwirtschaft die Nahrung zu entziehen sowie als Lebensraum) und somit gleichsam das Bauerntum alter Abstammung als die wesentliche Lebensgrundlage. Sie entstand aus dem Rassismus und dem Nationalismus des späten 19. Jahrhunderts und war zentraler Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie. Kritiker dieser Ideologie sehen in der Blut und Boden-Ideologie eine kriegstreibende Überhebung der (eigenen) Rasse (Blut) zur Legitimation für eine Nation, sich auszudehnen und den Bestand des eigenen Volkes durch die Vernichtung anderer Völker und die Aneignung fremden Bodens zu garantieren.

Große Deutsche Kunstausstellung

Deutsche Kunstausstellung 1937-1944

Die Große Deutsche Kunstausstellung fand insgesamt achtmal von 1937 bis 1944 im eigens hierfür gebauten Haus der Deutschen Kunst in München statt. Sie war repräsentativ für die Kunst im Nationalsozialismus. Die abstrakten und gegenstandslosen Produkte der Avantgardekunst hatten in der Weimarer Republik stets nur das Interesse weniger, zumeist intellektueller Menschen geweckt. In weiten Bevölkerungskreisen herrschten Unverständnis und Ablehnung gegenüber modernen Kunstrichtungen vor. Das Ziel der "Großen Deutschen Kunstausstellung" lag daher nicht nur in der Präsentation deutscher Kunst, sondern auch im Versuch, dem einfachen Volk "seine" Kunst näher zu bringen. Ein offizieller Wettbewerb lud alle deutschen Künstler im In- und Ausland ein, daran teilzunehmen. Von den 16.000 eingesandten Werken wurden gut 600 ausgestellt und zum Verkauf angeboten. Auffallend war jedoch das Fehlen junger Talente. Viele der Bilder wurden schon lange vor 1933 gemalt. Wirklich „Neu“ waren daher nur Bilder mit zeitgenössischem Bezug wie Kriegsgemälde, Industriegemälde, Hochöfen und Gemälde die Bauern und die Wehrmacht miteinander in Szene setzten.






Ivo Saliger, Das Urteil des Paris, 1939
Adolf Wissel, Kalenberger Bauernfamilie
Adolf Ziegler, Die vier Elemente
Adolf Ziegler, Akt
Arno Breker, Der Sieger (1939)
Raffael Schuster-Woldan, Das Leben (1908)

Architektur

Die Architektur galt als der wichtigste und kraftvollste Ausdruck der nationalsozialistischen Idee Die neu errichteten repräsentativen Gebäude sollten das nationalsozialistische Gedankengut in reinster Form manifestieren und verewigen. Ähnlich wie in den anderen Bereichen der NS-Kunst waren modernen Stilrichtungen unerwünscht. Die nationalsozialistische Architektur schuf jedoch keineswegs eine neue, eigene Baukunst, sondern schloss sich an die neoklassizistische Bauweise der Gründerzeit an. Dennoch ist eine spezielle NS-Handschrift an den meisten Gebäuden unverkennbar. Schlichte, monumentale Symmetrie, stark rechtwinklig ausgerichtete Elemente, wenig Dekorationen und schwere horizontale Steinfassaden sollten ein Gefühl der Undurchdringbarkeit und ewiger Größe vermitteln. Als wichtigster und führender Architekt sei hier Albert Speer (19. März 1905 in Mannheim; † 1. September 1981 in London) genannt. 1937 erteilte Hitler Speer den größten Auftrag, Planungen für den Umbau Berlins in die „Welthauptstadt“ Germania vorzulegen. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges verhinderte jedoch weites gehend die Verwirklichungen seiner Pläne.

23 3 b.jpg
Haus der deutschen Kunst, München
Führerpalast
Germania

Leni Riefenstahl (1902-2003)

Leni Riefenstahl

Leni Riefenstahl Wikipedia, war die bevorzugte und bis heute umstrittenste Regisseurin an Hitlers Seite. Sie verstand es, ästhetische Maßstäbe im Sinne der Nationalsozialisten zu setzen und Millionen von Menschen zu beeinflussen. Sie war erfolgreiche Tänzerin, Schauspielerin und Regisseurin.

Berühmte Filme:

  • „Sieg des Glaubens“
  • „Triumph des Willens“ youtube
  • „Tag der Freiheit“
  • „Fest der Völker“ youtube
  • „Fest der Schönheit“ youtube
Triumph des Willens

Kunstpädagogik und Bildungssystem

Ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise wurde der Kunstunterricht in der Weimarer Republik, in Form von Stellenabbau und Stundenkürzungen, erheblich eingeschränkt. Der Machtantritt der Nationalsozialisten weckte in Vielen die Hoffnung nach einer grundlegenden Veränderung der politischen Verhältnisse.

Der Kunstunterricht war geprägt von einer „Wiederentdeckung der Volkskunst“, welche sich durch die Sehnsucht nach einfachen Ordnungen in den Themenstellungen und Arbeitsweisen ausdrückten. In der Kunstpädagogik orientierte man sich an Leitmotiven wie „Mutterboden der Volkskultur“, Rasse, Reinheit, Blut, Gott und Nation. Aber auch die bildnerischen Erzeugnisse der Kinder aus dem Kunstunterricht waren geprägt von ideologischen Symbolen der Nationalsozialisten, wie man an den nachfolgenden Schülerbeispielen erkennen kann.


1933 „Reichsbund deutscher Kunsterzieher“ tritt dem nationalistischen Lehrerbund (NSLB) bei.

1938 Reichserlass über Erziehung und Unterricht in der höheren Schule: „Durch die Anleitung zu sorgsamer und bedachter Arbeit soll der Schüler zu inneren Sauberkeit erzogen werden.“

Musische Erziehung/ musische Nationalerziehung

Die Idee der musischen Erziehung stammt aus der Kunsterziehungsbewegung[2] zu Beginn des 20. Jahrhunderts, welche als ein Teil der Reformpädagogik zu sehen ist.

Der Chefideologe der Nationalsozialisten Ernst Krieck äußerte sich 1928 über „Musische Erziehung“, welche er als ein Element der Seelenpflege ansieht und als eine unmittelbare Einwirkung in ein System der "Übung" beschreibt:

Dabei gehe es darum, „den Menschen so zu erschüttern und aus seiner Selbstheit zu entwurzeln, dass er dann um seines Heilsziels willen der Autorität in völligem Gehorsam sich unterwirft“ (Krieck 1940, zit. nach Siepmann 1976, S.167, in Legler 2009 ). Auch Siepmann beschreibt den "musischen Akt" als eine Erschütterung, welche zum Empfangen der "neuen Saat" bereit machen soll. In diesem Zusammenhang wird musische Bildung als ein Element des von Walter Benjamins geprägten Begriffs der "Ästhetisierung der Politik " verstanden.


Legler stellt heraus, dass die kalkulierte Ausschaltung des Verstandes im "musischen Akt" eng mit dem Selbstausdruck der Massen und dem damit verbundenen Verzicht auf jegliches eigenes Recht und der Bereitschaft für bedingungslosen Gehorsam verbunden ist. An dieser Stelle wird die Bedeutung der musischen Fächer für die Propaganda der Nazis deutlich und folglich ist es kaum verwunderlich, dass die Nazis für eine Stärkung der musischen Fächer plädierten. Die musische Nationalerziehung geht zurück auf August Julius Langbehn[3], der durch seine Schrift "Rembrandt als Erzieher" bekannt wurde. In der musischen Nationalerzíehung werden zusätzlich zum individuellen Lebensbereich der Scülerin deren Ausbildung auch politische und militärische Themen behandelt.

Nach Kriegsende wurden von den Alliierten die im Potsdamer Abkommen verschriftlichten Maßnahmen der Entnazifizierung, Demokratisierung und Entmilitarisierung durchgeführt. Aufgrund dieser Tatsache könnte man vermuten, dass sich sowohl das deutsche Bildungssystem als auch die Kunstpädagogik nach 1945 grundlegend veränderte. Doch das Gegenteil war der Fall. Nach 1947 waren die Alliierten bemüht in Westdeutschland einen sicheren und zuverlässigen Partner im kalten Krieg [4] gegen die Sowjetunion zu finden. Im Bildungssystem hielt man an den bisherigen Strukturen fest, befürwortet wurde dies vor allem von den konservativ-klerikalen Vertreten wie Alois Hundhammer. Im Zuge dessen wurde auch die Praxis der Entnazifizierung gelockert, welche sicherstellen sollte, dass überzeugte Nationalsozialsten aus dem Schulwesen entfernt wurden. Für eine gründliche Reinigung fehlte an Schulen und Hochschulen jedoch das Personal.

Doch „wenn 1949 etwas nicht zerstört war, dann die Kultur der Sinne mit all ihren Einschlüssen an soziale Wahrnehmungsfähigkeit und –unfähigkeit, an verinnerlichten Ideologien. Aber auch die Grundverhältnisse, unter denen diese Kultur langfristig entstanden war, blieben nahezu unverändert.“ (Selle 1981, S.210 in Peetz 2002)

Man hielt am Konzept der musischen Erziehung fest, was in Westdeutschland unter dem Namen musische Geschmacks-und Gefühlserziehung als unpolitischer Gegenpol zur musischen Nationalerziehung im dritten Reich propagiert wurde.


In der Kunstpädagogik griff man erneut den Gedanken der Volkskunst , in Rückbezug auf Julius Langbehn, auf, der „ versprach , dass durch Innerlichkeit, Versenkung und Vergessen im glückhaften bildnerischen Schaffen >zivilisatorische Schäden< geheilt werden könnten.“ (Peetz 2002, S.47) Desweiteren zählte zur Musischen Bildung, die Erziehung zum "gepflegten Geschmack"(Meyers 1966, S.70), welche sich am Geschmack des Bürgertum orientierte.

Kunstpädagogische Standpunkte

Robert Böttcher

War Schriftleiter von „Kunst und Jugend“ und Reichssachbearbeiter für Kunsterziehung. Sein Buch „Kunst und Kunsterziehung im neuen Reich“ wurde zum Standardwerk der NS-Kunstpädagogik, in dem er fordert das ganze Schulleben nach ästhetischen Grundsätzen zu organisieren. Desweiteren forderte er "künstlerische Persönlichkeiten" als Lehrer und es finden sich hinsichtlich seines Standpunktes zur bildnerischen Entwicklung der Schüler Ähnlichkeiten zur Britsch-Schule.


Emil Betzler (1892-1974)

1933 führte der Vorwurf "Anhänger der expressionistischen, internationalistischen, bolschewistischen, artfremden Kunst" zu sein zu seinem Berufsverbot als Maler und zum Verlust seiner Ämter als Fachberater der Regierung und als Fachleiter. Nach Kriegsende wurde er in seinen alten Ämtern wieder eingesetzt und war später auch in der Lehrerbildung tätig. Bei der Gründung des Bundes Deutscher Kunsterzieher 1950 zählte er zu einer der wichtigsten Personen und war auch erster Vorsitzender des BDK. Betzler sieht seine "Neue Kunsterziehung" (1949) "als Antwort auf all die Dummheit, Gemeinheit und Gewalt, die er erleben musste." (Legler 2002, S.221) Jedoch führt das Wort "Neue" Kunsterziehung in diesem Kontext zu Missverständnissen, denn diese Ideen waren schon vorher existent. Auch in seiner Position finden sich Parallelen zur Britsch-Schule.

Aber auch die Volkskunst war für Betzler von großer Bedeutung, er schätzte an ihr "Maß an echt gestalteter Form, an Stilgehalt" (1956, S.207 in Legler 2002), dies verdeutlichte er indem er diese Qualitäten mit "Kitsch", dem er eine "verhängnisvolle psychologische Wirkung auf die Menschen" zuschrieb, in dem er sie kontrastierend gegenüberstellte.


Richard Ott

Im Fokus steht Otts Werk "Urbild der Seele" (1949), welches für die damaligen Verhältnisse der Nachkriegszeit relativ aufwendig, mit zahlreichen Farb-,und schwarz-weiß Abbildungen von Schülerarbeiten, produziert wurde. Auch Ott forderte, dass der Kunstunterricht von Künstlern erteilt werden solle, da diese seiner Meinung nach "dem Wesentlichen der Kunst näher stehen als die Kunstpädagogen"(Legler 2002, S.224).Desweiteren hofft er durch den Kunstunterricht das gesamte Bildungswesen zu erneuern. "Das Kind lernt im Kunstunterricht absolut nicht, es entwickelt sich nur." (S.19,in Legler 2002, S.225). Für Ott ist es wichtig, dass die "Art und Richtung der bildnerischen Auseinandersetzung nicht vorgegeben werden."(ebd.) Er plädiert für ein aktives und entdeckendes Lernen: "Haben die Kinder sich einmal selbst entdeckt, und ihre Ausdrucksmöglichkeiten erkannt, dann wächst ihr Tätigkeitsdrang, und der Lehrer hat... die Aufgabe, die Kinder zu ermahnen, nicht so viel zu arbeiten und sich zu schonen."(ebd.)


Für Ott ist es zentral, dass den Schülern die Art und Richtung der bildnerischen Auseinandersetzung nicht vorgegeben wird, für ihn gibt es keine disziplinären oder altersbestimmte Beschränkungen. Im Gegensatz zu Betzler zweifelt Ott an einer psychogenetischen Organisation des Unterrichts. Ott sieht dagegen eine Beziehung zwischen den bildnerischen Erzeugnissen der Kinder und deren Charakter und Temperamet. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte beispielsweise Ernst Kretschmer (1888-1964), der in seinem Werk "Körperbau und Charakter" drei Grundtypen (Leptosome, Pykniker und Athletiker) bestimmt und unterscheidet und diesen Charakterzüge und Krankheitsneigungen zuschreibt. Vor allem vor dem Hintergrund der NS-Zeit ist dieser Ansatz kritisch zu betrachten, für Richard Ott aber auch zu relativieren, da er differenzierte Beobachtungen der Kinder und ihrer bildnerischen Artikulationsformen durchführte.

Beispiele aus dem Kunstunterricht:

1935 an bayrischen Mädchenanstalten soll schmückendes Gestalten dem Linearen Zeichnen bevorzugt behandelt werden. Dies lässt erhebliche Rückschlüsse auf das Frauenbild der Nationalsozialisten zu.


Quellen:

Legler, Wolfgang: Vorlesungen zur Geschichte des Zeichen- und Kunstunterrichts, unveröffentlichtes Manuscript, Universität Hamburg, 2009

Peez, Georg: Einführung in die Kunstpädagogik, Stuttgart: Kohlhammer 2002 (Grundriss der Pädagogik/Erziehungswissenschaft 16)

Gebhardt, Volker: Kunstgeschichte Malerei, Köln: Dumont Buchverlag 1997

http://de.wikipedia.org/wiki/Kunsterziehungsbewegung

http://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Speer

http://de.wikipedia.org/wiki/Blut-und-Boden-Ideologie

http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Deutsche_Kunstausstellung

http://de.wikipedia.org/wiki/Leni_Riefenstahl