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ichikawa_fusae

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 >> "Letztlich ist die Gleichberechtigung eine Frage der Erziehung." (zitiert nach LINHART: "Fusae Ichikawa – die letzte Suffragette") >> "Letztlich ist die Gleichberechtigung eine Frage der Erziehung." (zitiert nach LINHART: "Fusae Ichikawa – die letzte Suffragette")
  
-Diesem Credo blieb sie auch persönlich bis ins hohe Alter treu. So reiste Ichikawa 1970 in die USA, um sich über die Neue Frauenbewegung zu informieren. Die Frauenbewegung der sogenannten Zweiten Welle – die Erste Welle stellte den Kampf um das Wahlrecht dar – forderte gleiche Rechte und Möglichkeiten, persönliche Entscheidungen in allen Bereichen wie Politik, Arbeit, Familie und Sexualität zu treffen. Es wurden die institutionalisierten Machtverhältnisse angegriffen, welche Frauen zugunsten von Männern daran hinderten, ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Ichikawa zeigte zwar deutliche Sympathie für die Neue Frauenbewegung, jedoch gab es auch Strömungen innerhalb der Bewegung, die sie kritisch betrachtete. Eine grundsätzliche Anti-System-Haltung kam für die reformistisch eingestellte Ichikawa nicht in Frage. Daher blieb sie auch der japanischen Bewegung der 1970er Jahre (Ûman ribu ウーマンリブabgeleitet vom englischen Begriff Women's Liberation Movement) gegenüber zunächst kritisch eigestellt, da sie die Bewegung lediglich als Imitation der US-amerikanischen Bewegung ansah. Ende der 1970er Jahre jedoch gestand sie ein, dass sie in vielen Punkten der Ûman ribu zustimmte; beispielsweise konnte sie sich der Kritik an der Beschränkung der gesellschaftlichen Frauenrolle auf die der Mutter anschließen. Ichikawa Fusae selbst blieb ihr Leben lang ledig und hatte keine Kinder. Für sie stand ihre Arbeit für die Frauenbewegung im Fokus, so dass eine Heirat und Kinder ihren Lebensstil sowie ihre Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt hätten. (Siehe DIENER 1997, S. 1139)+Diesem Credo blieb sie auch persönlich bis ins hohe Alter treu. So reiste Ichikawa 1970 in die USA, um sich über die Neue Frauenbewegung zu informieren. Die Frauenbewegung der sogenannten Zweiten Welle – die Erste Welle stellte den Kampf um das Wahlrecht dar – forderte gleiche Rechte und Möglichkeiten, persönliche Entscheidungen in allen Bereichen wie Politik, Arbeit, Familie und Sexualität zu treffen. Es wurden die institutionalisierten Machtverhältnisse angegriffen, welche Frauen zugunsten von Männern daran hinderten, ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Ichikawa zeigte zwar deutliche Sympathie für die Neue Frauenbewegung, jedoch gab es auch Strömungen innerhalb der Bewegung, die sie kritisch betrachtete. Eine grundsätzliche Anti-System-Haltung kam für die reformistisch eingestellte Ichikawa nicht in Frage. Daher blieb sie auch der japanischen Bewegung der 1970er Jahre, der Ûman ribu ウーマンリブ (abgeleitet vom englischen Begriff Women's Liberation Movement) gegenüber zunächst kritisch eigestellt, da sie die Gruppen lediglich als Imitation der US-amerikanischen Bewegung ansah. Ende der 1970er Jahre jedoch gestand sie ein, dass sie in vielen Punkten der Ûman ribu zustimmte; beispielsweise konnte sie sich der Kritik an der Beschränkung der gesellschaftlichen Frauenrolle auf die der Mutter anschließen. Ichikawa Fusae selbst blieb ihr Leben lang ledig und hatte keine Kinder. Für sie stand ihre Arbeit für die Frauenbewegung im Fokus, so dass eine Heirat und Kinder ihren Lebensstil sowie ihre Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt hätten. (Siehe DIENER 1997, S. 1139)
  
 Ichikawa Fusae wurde wiederholt als Volksvertreterin gewählt, zuletzt 1980, bevor sie 1981 im Alter von 87 Jahren starb. Verzweiflung an der gesellschaftlichen Position von Frauen in Japan ließ sie bis zuletzt nicht erkennen. Vielmehr sagte sie in dem Interview mit Yoko NUITA: Ichikawa Fusae wurde wiederholt als Volksvertreterin gewählt, zuletzt 1980, bevor sie 1981 im Alter von 87 Jahren starb. Verzweiflung an der gesellschaftlichen Position von Frauen in Japan ließ sie bis zuletzt nicht erkennen. Vielmehr sagte sie in dem Interview mit Yoko NUITA:
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 ==== Forschungsstand ==== ==== Forschungsstand ====
  
-Ichikawa Fusae hat einen festen Platz in der Geschichte der japanischen Frauenbewegung. Daher wird sie in Überblickswerken wie //Gendering Modern Japanese History// (2005) von Barbara MOLONY und Kathleen UNO oder //Japanese Feminist Debates. A Century of Contention on Sex, Love, and Labor// (2016) von Ayako KANO auch immer als zentrale Person genannt, beispielsweise als eine der Gründerinnen der Shin fujin kyôkai. Dennoch gibt es kaum Monographien, die sich ausschließlich mit Ichikawa als Person beschäftigen und ihren gesamten Lebensweg bzw. die Entwicklung ihrer Politik nachzeichnen. Eine Ausnahme bildet hier das Werk von MURAI Ryôta, //Ichikawa Fusae: kôtai wo soshi shite zenshin// 市川房枝: 後退を阻止して前進 (2021), welches alle Lebensabschnitte in die Betrachtung aufnimmt. In der westlich-sprachigen Literatur jedoch fehlt solch eine Gesamtschau. Vielmehr werden die verschiedenen Lebensabschnitte wie die 1920er Jahre oder die Tätigkeit während des Krieges getrennt von einander betrachtet und als ins sich geschlossene Entwicklungen angesehen. Eine umfassende Biographie könnte jedoch zeigen, dass Ichikawa durchgängig ihren politischen Zielen treu blieb und sich lediglich den politischen, gesellschaftlichen und historischen Begebenheiten anpasste.+Ichikawa Fusae hat einen festen Platz in der Geschichte der japanischen Frauenbewegung. Daher wird sie in Überblickswerken wie //Gendering Modern Japanese History// (2005) von Barbara MOLONY und Kathleen UNO oder //Japanese Feminist Debates. A Century of Contention on Sex, Love, and Labor// (2016) von Ayako KANO auch immer als zentrale Person genannt, beispielsweise als eine der Gründerinnen der Shin fujin kyôkai. Dennoch gibt es kaum Monographien, die sich ausschließlich mit Ichikawa als Person beschäftigen und ihren gesamten Lebensweg bzw. die Entwicklung ihrer politischen Haltung nachzeichnen. Eine Ausnahme bildet hier das Werk von MURAI Ryôta, //Ichikawa Fusae: kôtai wo soshi shite zenshin// 市川房枝: 後退を阻止して前進 (2021), welches alle Lebensabschnitte in die Betrachtung aufnimmt. In der westlich-sprachigen Literatur jedoch fehlt solch eine Gesamtschau. Vielmehr werden die verschiedenen Lebensabschnitte wie die 1920er Jahre oder die Tätigkeit während des Krieges getrennt von einander betrachtet und als in sich geschlossene Entwicklungen angesehen. Eine umfassende Biographie könnte jedoch zeigen, dass Ichikawa durchgängig ihren politischen Zielen treu blieb und sich lediglich den politischen, gesellschaftlichen und historischen Begebenheiten anpasste.
  
 Eventuell liegt auch genau darin die Schwierigkeit, Ichikawa als Person zu erfassen. Ihre politischen Aktivitäten erstrecken sich über ca. 70 Jahre, in denen Japan sich von der Taishô-Demokratie in eine ultranationalistische Gesellschaft und schließlich in eine Demokratie wandelte. Ihre politische Tätigkeit war eng an politische Ereignisse gekoppelt, so dass bei einer Gesamtbetrachtung immer auch die zeitgenössische Politik und die Reaktionen verschiedener politischer Gruppierungen beachtet und analysiert werden muss. Eventuell liegt auch genau darin die Schwierigkeit, Ichikawa als Person zu erfassen. Ihre politischen Aktivitäten erstrecken sich über ca. 70 Jahre, in denen Japan sich von der Taishô-Demokratie in eine ultranationalistische Gesellschaft und schließlich in eine Demokratie wandelte. Ihre politische Tätigkeit war eng an politische Ereignisse gekoppelt, so dass bei einer Gesamtbetrachtung immer auch die zeitgenössische Politik und die Reaktionen verschiedener politischer Gruppierungen beachtet und analysiert werden muss.
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 ==== Literatur ==== ==== Literatur ====
   * DIENER, Doris: „Die Frauenrechtlerin Ichikawa Fusae nach 1945“. In: //Asiatische Studien: Zeitschrift der Schweizerischen Asiengesellschaft//, Bd. 51, Nr. 4 (1997), S. 1135-1140.   * DIENER, Doris: „Die Frauenrechtlerin Ichikawa Fusae nach 1945“. In: //Asiatische Studien: Zeitschrift der Schweizerischen Asiengesellschaft//, Bd. 51, Nr. 4 (1997), S. 1135-1140.
ichikawa_fusae.1659903796.txt.gz · Zuletzt geändert: 2022/08/07 22:23 von cweber6